Mittwoch, 29. Juni 2016

Wolken am Horizont



Meinen Kindern habe ich heute eine Mail geschickt, die ihnen Folgendes ans Herz gelegt hat:

  1. Falls Ihr noch in der einen oder anderen Ecke etwas Gold vergraben habt, haltet ruhig dran fest.
  2. Falls Ihr ein Ersparnis besitzt, das Ihr in den nächsten 10 Jahren sowieso nicht angreifen wollt und müsst: Wandelt es um in physisches Gold.
  3. Lasst Euch nicht irritieren, wenn im Zuge des bevorstehenden Tumults der Preis von Gold kurzzeitig dramatisch abrutscht. Gehört zum Szenario.
  4. Spart. Wer kann, lege monatlich auf diese Weise wenigstens 5 % seines Nettoeinkommens strikt zurück. Das ist eine »goldene Regel« all unserer Vorfahren und völlig unabhängig davon, was derzeit auf dem Goldmarkt geschieht. Wichtig dabei immer: Man darf auf diese kleinen Beträge in Zukunft (großzügig geschätzt: 10 Jahre) nicht angewiesen sein, wenn man sie in Gold wandelt.
  5. Kümmert Euch beim Goldkauf nicht um seinen gegenwärtigen Preis. Er schwankt. Wartet nicht auf einen »günstigen« Moment.
  6. Der Schweizer Vreneli (mit knapp 6 g Gold) kostet derzeit ca. € 240,00.
  7. Wer kleinere Werte umwandeln will, findet auch 1/10 oz (= ca. 3 g). Zu bevorzugen sind Maple Leaf, Krugerrand, Wiener Philharmoniker (da am bekanntesten).
  8. Kauft nicht online, sondern gegen bar vor Ort, anonym. 
  9. Wiederverkauf (z. B. nach drastischer Wertsteigerung) ist einkommenssteuerpflichtig! Es sei denn, der Kauf liegt mehr als 12 Monate zurück. Kaufbelege aufbewahren!
Ich will den Grund für diese kleinen familiären Ermahnungen kurz erläutern:
  1. Das internationale Finanzsystem zeigt inzwischen neue Anzeichen von Stress, die historisch außerordentlich selten sind. Ähnliches passierte nur zum Beispiel 2008 und in den 1930ern. Um was geht es? Normalerweise laufen der Dollar und das Gold technisch asynchron. Steigt der Dollar, verliert Gold an Wert – und umgekehrt. Fällt der Dollar, steigt Gold: als »sicherer Hafen«. Derzeit aber laufen Dollar und Gold synchron. Dies gilt als »a sign that there’s some move toward an end game of sorts« (als Anzeichen dafür, dass die Dinge sich auf eine Art Schlussphase hinbewegen), als »a sign of uncertainty or financial stress« (Hinweis auf Unsicherheit oder finanziellen Stress), als Hinweis auf einen »point of critical stress«. Am Horizont rückt die Möglichkeit näher, dass, nach über 100 Jahren Lebenszeit, der Dollar endgültig kollabiert. Der überwältigende Teil aller Vermögenswerte weltweit aber ist in Dollar gezeichnet. Heißt: Kollabiert der Dollar, wird – notgedrungen! – ein gewaltiger Run einsetzen in Richtung auf etwas, was den Lauf der Zeiten schon immer überstanden hat. Und das ist Gold.
  2. In den bevorstehenden Zeiten des Tumults kann der Preis von Gold durchaus auch noch einmal drastisch fallen. Wohl dem, der jetzt nicht gezwungen ist, Gold zu verkaufen!
  3. Sparen ist eine Tugend, die wir heute verloren haben. Wenn überhaupt »gespart« wird, dann wird nicht wirklich gespart, sondern investiert, im Sinne von »spekuliert«: Ich kaufe XY in der Hoffnung, eines Tages mit Gewinn wieder verkaufen zu können. Darum geht es aber beim Sparen nicht. Jedenfalls nicht vorrangig. Sparen heißt vielmehr: Überschüsse zur Seite legen, damit diese Werte gesichert sind. Sichern aber heißt, unabhängig machen vom auf und Ab irgendwelcher Währungen, Wirtschaftsturbulenzen, Konjunkturen.
  4. Gold ist derzeit extrem unterbewertet. Das heißt: Wenn der Dollar ins Rutschen kommt, muss sein Wert dramatisch steigen. Den Zeitpunkt dieser Neubewertung kann niemand absehen. Er kann schon morgen sein. Das aber heißt: Wer mit Goldkauf wartet, versäumt eventuell die Mitnahme dieser – historisch einmaligen – Neubewertung.
  5. Das Schweizer »Goldvreneli« ist mit einer Auflage von über 60 Millionen Stück äußerst weit verbreitet und in Mitteleuropa also bestens akzeptiert. Aber es tut natürlich auch jeder andere kleinere oder größere Wert: siehe oben (7).
  6. Man scheue nicht zurück vor kleinen Werten. Eine Neubewertung treibt den Wert einer ganzen Unze in den hohen 5stelligen Wert (inflationsbereinigt). Da ist es gut, auch kleinere Werte zu besitzen.
  7. Es gibt zwar absolut seriöse Online-Händler. Der Teufel aber steckt auch hier im Detail: Trifft eine Bestellung mit der üblichen Vorauszahlung zufällig auf die Tage einer Neubewertung, dann ist die Chance, dass das Gold Ihnen ausgeliefert wird, extrem gering, um nicht zu sagen gänzlich unwahrscheinlich. Vielmehr werden Sie »aus trechnischen Gründen« eine 1:1-Rücküberweisung erhalten und müssen anschließend neu bestellen: nunmehr zum neuen Preis. Suchen Sie sich also einen seriösen Goldhändler vor Ort. »Seriös« heißt: Er sollte über sämtliche gängigen Prüfverfahren verfügen, die zur Prüfung der Echtheit von Gold erforderlich sind, und er sollte sie Ihnen in Ihrem Beisein vorführen können.
  8. Es ist menschlich, nach einer Neubewertung den »Gewinn« wenigstens zu einem Teil mitnehmen zu wollen. Aber Vorsicht: Dieser Gewinn ist in Deutschland einkommenssteuerpflichtig, wenn er innerhalb einer kürzeren Spanne als 12 Monate realisiert wird. Und das kann schnell zu einem Verlust von 30, 40 und mehr Prozent führen. Besser also auch hier, nicht (so schnell) angewiesen zu sein auf einen Wiederverkauf.