Mittwoch, 4. Juni 2014

21 Zahlen zu Gold

© wong yu liang - Fotolia.com

Am 4. Juni veröffentlichte Jan Skoyles auf The Real Asset Co. einen kleinen Aufsatz mit ergänzendem PDF, der eine Reihe frischer und älterer Daten über Gold zusammenfasst: Daten, die erneut deutlich belegen, dass wir Zeuge eines beachtlichen und sich rasch beschleunigenden »Goldtransfers von West nach Ost« geworden sind, hin zum asiatischen Mittelstand, der traditionell eine starke Affinität zu Gold besitzt. Da andererseits die Entdeckung neuer Goldvorkommen stark rückläufig ist und die Kosten für die Erschließung neuer Goldvorkommen explodieren, kann davon ausgegangen werden, dass Gold in absehbarer Zeit deutlich teurer werden wird.
Die wichtigsten Daten aus Skoyles’ Zusammenfassung (meine Bezifferung entspricht nicht der Skoyles’):
  1. Die US-Mittelschicht umfasste 2012 nur noch 50% der Bevölkerung (1970: 61%). Ähnlich Europa.*
  2. Chinas Mittelschicht hingegen wird 2021 doppelt so groß sein wie die gesamte Bevölkerung der USA.
  3. Ebenso in Indien: 2016 wird die Mittelschicht 267 Millionen betragen, ein Zuwachs gegenüber 2011 von 67%. 
  4. Die Mittelschicht Chinas und Indiens generiert die größte Nachfrage nach Gold: 2002: 23%, 2012: 47%, 2013: über 50%.
  5. Die globale Nachfrage nach Gold vergrößerte sich während des letzten Jahrzehnts um 42%.
  6. Die Goldproduktion blieb die letzten zehn Jahre konstant.
  7. Das Volumen neu entdeckten Goldes ist heute so niedrig wie nie zuvor. Während in den 1990ern jährlich noch ein Volumen von umgerechnet 100 Millionen Unzen neu entdeckt wurde, reduzierte sich dieses Volumen im nächsten Jahrzehnt auf gerade einmal 30 Millionen Unzen.
  8. 2007 bis 2011 deckten die Kosten für Entdeckung und Erschließung nur noch 56% des tatsächlich gewonnenen Goldes.
  9. Von 2005 bis 2011 sank der Feingoldanteil des geschürften Gesteins global um 23%. In den 10 größten Minen sank er um von 1998 bis 2012 um über 75%: von 4,6g/t auf nur noch 1,1g/t.
  10. 2013 werden die Gesamtkosten der Goldgewinnung auf durchschnittlich 1250 USD pro Unze geschätzt.
  11. Trotz Rekordinvestitionen von 8 Mrd. USD wurden 2011 nur noch vier Lagerstätten entdeckt, in denen mit mehr als 3 Millionen Unzen gerechnet werden kann.
  12. 2012 erreichte das Volumen neu entdeckter Lagerstätten den niedrigsten Stand seit 40 Jahren.
  13. Goldaktien haben, im Vergleich zum Goldpreis, inzwischen ein 10-Jahres-Tief erreicht. Der führende Gold-Index HUI wird derzeit mit 17,4% des Goldpreises gehandelt (25.03.14): der niedrigste Wert seit 2001.
  14. Von Oktober 2012 bis September 2013 steigerten sich die Goldimporte via Hongkong um 91%.
  15. Russland ist heute der viertgrößte Goldproduzent – und gleichzeitig einer der größten Käufer von Gold. 
  16. Russlands Zentralbank hat im letzten Jahrzehnt mehr Gold als jede andere Zentralbank erworben. Seine Goldreserven betragen jetzt über 1000 Tonnen, 70% mehr als noch 2010. Platz zwei: China.
  17. 2013 produzierten China und Russland zusammen 640 Tonnen: 20% der Weltproduktion. Der Markt sieht davon so gut wie nichts.
  18. Selbst wenn all dieses Gold vermarktet worden wäre, wäre dadurch nur ein Drittel der 2012-Goldnachfrage Indiens und Chinas gedeckt worden (1648 Tonnen).
  19. 2012 erwarben die Zentralbanken global 534,6 Tonnen: der größte Zuwachs seit 1964. In Dollar: 2012 wurden dafür 235 Mrd. ausgegeben – ein Allzeithoch und ein 17%iger Zuwachs gegenüber 2011, trotz niedrigerer Goldpreise.
  20. Im April 2013 erreichte in den USA der Abverkauf von Goldmünzen ein Drei-Jahres-Hoch; bis Oktober 2013 war schon mehr Gold verkauft worden als im ganzen Jahr 2012.
  21. Weltweite Goldanlagen (Barren, Münzen, Medaillen) betrugen 2008 noch 800 Tonnen. 2012 hatte sich diese Zahl verdoppelt (1600 Tonnen).
Jan Skoyles: »Die Welt ist Zeuge eines beachtlichen und raschen Transfers des Reichtums von West nach Ost. 2030 werden die Asiaten 64% der Mittelschicht ausmachen, eine Bevölkerungsgruppe mit historisch wie kulturell starker Affinität zum Goldbesitz. Ein Transfer, der sich beschleunigt, während gleichzeitig Entdeckungen bedeutenderer Goldvorkommen rückläufig sind, trotz steigender Investitionskosten.«
Gemäß einer Vorhersage der OECD werde sich China bis 2016 zur weltgrößten Volkswirtschaft entwickelt haben. China sei aber heute schon der weltweit größte Goldproduzent und habe darüber hinaus begonnen, weltweit Goldminen aufzukaufen.
All diese spreche für künftig deutlich steigende Goldpreise.

Wer allerdings FOFOAs Arbeit verfolgt, weiß, dass diese Daten nur die eine Seite der Medaille sind. Die andere Seite ist, dass schon jetzt der Preis für physisches Gold alles andere, nur kein echter Marktpreis ist. Vielmehr wird die Preisfindung überlagert von einem um den Faktor 100 größeren Handelsvolumen aus sogenanntem »Papiergold«: Futures, Optionen und ETFs auf Gold, kaum gedeckt durch irgendeinen physischen Gegenwert. Bricht dieser Papiergoldmarkt zusammen, wird der Preis physischen Goldes um Größenordnungen in die Höhe getrieben werden (»Neubewertung von Gold«, »Freegold«). Denn anders lässt sich dann der immer notwendige freie Fluss des Goldes nicht mehr garantieren.

* Alle Quellen: siehe Skoyles.