Samstag, 29. Juni 2013

Vorfreude


Bild  © Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de

Besitzen Sie? Fragen Sie sich, wie Sie mit Ihrem Besitz umgehen sollen? Stießen Sie dabei auch auf Edelmetalle und Gold? Waren Sie dem gelben Metall zugetan? Wundern Sie sich jetzt, wo seine Werthaltigkeit bleibt? Beginnen Sie, wenn Sie Goldbesitzer sind, sich Sorgen zu machen?
Gemach. Denn am Goldkurs der vergangenen Jahre können Sie vieles ablesen – nur nicht den Wert dieses edlen Metalls.
Der Goldkurs, wie wir ihn seit langem kennen, spiegelt zwar den Preis von Gold wieder, wie er sich vor allem an der wichtigsten Warenterminbörse, der New Yorker Comex, durch Angebot und Nachfrage ergibt. Aber: Das echte Metall, das an der Comex gehandelt wird, stellt nur einen Bruchteil des gesamten Goldhandels dar. Ja, man darf mit Fug und Recht behaupten: Das physische Gold spielt im Goldgeschäft der Comex so gut wie gar keine Rolle mehr. Der erdrückend größere Anteil des Goldhandels wird über reines Papier abgewickelt: Futures, Optionen, ETFs. Von Gold lediglich abgeleitete Werte. Derivate.
Nun sinkt der Goldpreis. Ja und? Denn dieser sinkende Goldpreis heißt nur: Der Wert der Derivate sinkt. Und das durchaus dramatisch. Na und? Das interessiert mich letzten Endes die Bohne. Ja, im Gegenteil: Ich bin darüber hocherfreut. Ich halte diese ganzen Wetten, dieses ganze Spekulieren und Hoffen und Bangen, dieses ganze Schieben und Setzen, all dieses aufgeregte, pseudo-professionelle »long-« und »short-Gehen« der modernen »Trader« für nichts als eine moderne Geisteskrankheit: buchstäblich von Irren.
Mich interessiert all dieser, verzeihen Sie bitte, Papierdreck nicht. Und, sehr offen gestanden: Mich interessieren auch die Menschen nicht, die sich tagein, tagaus in dieser abartigen, verqueren Welt aufhalten.
Was tragen sie denn Nützliches zum Leben bei? Wozu sind sie gut? Wer hat etwas von ihrer Arbeit? Wem dienen sie? Ihre sogenannte »Arbeit« ist zu nichts nutze, nutzt niemandem außer vielleicht kurzfristig ihnen selbst.
Das gesagt, kehre ich zurück zu der Frage: Was ist mit Gold?
Gold ruht und wartet. Auf seinem Rücken, auf seinem Gesicht trampeln zwar Verrückte herum, decken es zu mit ihren computergesteuerten Auswürfen, verzerren es im Spiegel ihres Wahns – ich sehe es trotzdem. Für mich ist es längst von diesem Schleier der Unwissenheit befreit.
Und auch »der Markt«, das sehen wir jetzt, befreit sich von dieser Fata Morgana. Er lässt all dieses »Papiergold«, wie es richtig genannt wird, zunehmend in seiner Gunst fallen. Der Preis dieser dreckigen Derivate ist seit Dezember 2012 um über 30% abgestürzt und hat seinen Sturz noch nicht gebremst. Das Inventar des größten Goldfonds der Welt (SPDR), jener gesitteten Variante der Goldspekulation, verlor von seinen rund 1350 Tonnen seit dem 7. Dezember fast 400 Tonnen, steht heute bei nur noch knapp 970 Tonnen.
Legt man die Kurve des Goldpreises über die Kurve des SPDR-Inventars, zeigt sich fast eine 1:1-Deckung. Ein besseres Indiz, dass Goldpreis und Goldspekulation Hand in Hand gehen, kann es kaum geben.
Und also ist der Abfluss aus dem SPDR-Fonds ein willkommenes Zeichen dafür, dass sich die Ära der Goldspekuklation ihrem Ende nähert. Ich gehe hier 1:1 konform mit FOFOA, der auf diese Verbindung seit Jahren verweist.
Und das ist der Grund, warum viele FOFOA-Leser sich von allen anderen Goldliebhabern dieser Welt diametral unterscheiden in ihrer Reaktion auf den fallenden Preis: Statt sich zähneknirschend dümmliche Durchhalteparolen zuzurufen (»Der Boden ist bald erreicht!«, »Bald wird’s wieder bullish!«), schauen sie dem Absturz gelassen zu und hoffen nur eins: dass er sich nun endlich beschleunigen möge.
Gut, das Wort »gelassen« ist etwas zu groß. Es ist viel wilder: FOFOAs Leser fiebern regelrecht dem Goldabsturz entgegen. Warum?
FOFOA hat in zahlreichen seiner klugen Essays gezeigt, dass das Ende der Goldspekulation keineswegs das Ende von Gold bedeutet, wie ein offensichtich bar jeden Kundigseins agierender Handelsblatt-online Chef, Oliver Stock, gestern hoffend ausgerufen hatte (die womöglich beste Zusammenballung dümmlicher Aussagen, die man über Geld und Gold nur treffen kann, insofern muss man es gesehen haben).
Der Goldpreisverfall ist der Verfall des Vertrauens in das üble Derivategold, das das physische Gold, diesen zentralen Wertspeicher, überdeckt. Warum sonst ist Gold seit vielen Jahren wieder zur wichtigsten Reserve der europäischen Zentralbanken geworden?
Wenn dieser Papiermarkt endgültig ausgedünnt ist und der Handel mit Produkten dieser Art zum Erliegen kommt, dann erst – und erst dann – besteht die Chance, dass wir wieder vom Wert des Goldes sprechen können. Weil dann, nach kurzer Schockstarre, der Handel endlich wieder mit echtem Gold statt mit seinen kindischen Papierderivaten einsetzen kann.
Es ist richtig: FOFOAs Leser fiebern diesem Moment auch deshalb entgegen, weil mit dieser Befreiung physischen Goldes von seinem Derivatedreck zwangsläufig eine Neubewertung des Goldes verbunden sein wird. Wenn das, was die Preisbildung bislang geprägt hat – die Spekulation – zu Ende ist, muss selbstverständlich neu geprüft werden: Was ist denn heute das Metall, für sich allein, ohne Derivate-Einfluss, eigentlich wert?
Nehmen Sie es gelassen hin, wenn man diesen Preis im Voraus nicht bestimmen kann. Man kann ihn lediglich schätzen. Und diese Schätzung auf einer Verteilungskurve auftragen. Hier kann man solch eine Wahrscheinlichkeitsrechnung in zwei Grafiken bewundern. Aber erschrecken Sie nicht: Die Schätzung reicht von 10.000 bis 100.000 Dollar pro Unze. Und zeigt ihren Scheitel bei etwa 55.000 Dollar. In heutiger Kaufkraft, wohlgemerkt. Die zu erwartende Hyperinflation des Dollar ist hier nicht eingerechnet.

Spekulanten, die bis hierhin denn doch mitgelesen haben, sei noch ins Stammbuch geschrieben: Ihre Positionen, gleichgültig, wo Sie sie gesetzt haben, werden von dieser Entwicklung nicht nur ignoriert werden, sondern werden in sehr vielen Fällen durch diese Neubwertung, durch die Befreiung des Goldes von seinen Derivaten, massive Verluste erleiden. Die Neubewertung von Gold wird sich laut FOFOA als Neubewertung gegenüber ALLEN anderen Anlageklassen und Werten erweisen.

Meine Zeit für dieses Blog ist sehr begrenzt. Dieser Post sollte den wenigen, die bisher mitlasen, nur sagen: Wenn Sie physisches Gold zur Grundlage Ihrer Vermögenssicherung gemacht haben, liegen Sie aus Sicht vieler kluger Leute absolut richtig. Und aus Sicht FOFOAs dürfen Sie sich sogar äußerst entspannt zurücklehnen und zuschauen. Wenn Sie wollen, sogar genüsslich.
Die vertrackte, an ihrer eigenen Unlogik erstickende (Gold-)Derivate-Welt beginnt jetzt, vor Ihren Augen, eines sehr natürlichen Todes zu sterben. Es wird ein Tod mit Pauken und Trompeten sein, denn er wird vieles nach sich ziehen: den Einsturz anderer Derivate-Märkte, den Kollaps des Dollar, und, am Wichtigsten: eine vollkommene Neuorientierung des Menschen in Sachen Vermögen, Werte, Sparen und Geld.
Aber lassen Sie das ruhig auf sich zukommen. Professioneller Journalismus wird nicht aussterben, aller Dummheit, die er ab und zu generiert, zum Trotz. Und dieser Journalismus wird Sie, wenn der Knall vorüber ist, sehr schön, Stück für Stück, darüber aufklären, was diesem Erdbeben vorangegangen war, warum es unvermeidlich war und wie die Welt nach ihm nun zu funktionieren beginnt.
Sie müssen also FOFOA nicht unbedingt  lesen. Genießen Sie nur seine Perspektive. Das reicht.