Donnerstag, 18. April 2013

Geld

Kein Zweifel: Wir benötigen Geld – um Wert von A nach B zu transportieren. Nur – was ist Geld?
Geld ist Dreierlei: Währungseinheit (1 Euro, 1 Dollar, 1 Yen), Tauschmittel (der 100-Dollar-Schein, der 5-Euro-Schein) und Wertspeicher (die Ziffern auf Ihrem Kontoauszug).
Jeder, der Geld besitzt, das er nicht sofort umtauschen möchte in Sachwerte, benötigt einen stabilen, Jahre und Jahrzehnte überdauernden Wertspeicher.
Währungen und währungsgestützte Tauschmittel erfüllen diese Bedingung nicht. Sie sind abhängig von politischen Entscheidungen. Die durchschnittliche Lebensdauer von Währungen beträgt, wie ich irgendwo gelesen habe (Quelle?), bislang nur 40 (vierzig!) Jahre.
Zudem: Was halte ich in der Hand, wenn mir gesagt wird, mein Vermögen betrage x Euro? Ich halte nur ein Versprechen auf die Kaufkraft von x in der Hand. Ich besitze also nichts als einen Schuldschein auf Ware. Ich bin Gläubiger.
Damit aber bin ich auf Gedeih und Verderb den Schuldnern ausgeliefert.
Zypern ist ein Lehrstück: Die Banken schuldeten den Menschen Vermögen, am Ende hieß es: April, April.
Als langfristiger Wertspeicher taugt nur, was dem Auf und Ab von Währungen nicht unterliegt. Was nicht Schuld ist, sondern Besitz.
In Frage kommen teure Antiquitäten, seltene Briefmarken, alte Autos, berühmte Bilder, edle Steine, Land vielleicht und die selbstbewohnte Immobilie und manches mehr. Kommt der Tag X, verkaufe ich, wandle den Wert wieder zurück in die dann jeweils geltende Währung – und erstehe mit diesem Tauschmittel die Waren meiner Wahl.
Hier kommt jedoch noch eine Forderung, die ich an einen Wertspeicher zu stellen habe, ins Spiel: Er soll möglichst leicht und überall und von jedem als Wertspeicher anerkannt sein. Für den Oldtimer muss ich den passenden Liebhaber finden. An Kunst ist nicht jeder interessiert. Und das Land nutzt vielleicht niemandem etwas, wenn ich es verkaufen will.
Wenn ich einen Wertspeicher suche, der leicht zu tauschen ist, der währungsunabhängig ist, der vielleicht auch leicht zu transportieren und leicht zu lagern ist, dann reduzieren sich die Optionen sehr schnell: Es bleiben z.B. Diamanten, Edelsteine, Edelmetalle.
  • Die Echtheit von Diamanten ist schwer zu beurteilen. Und es gibt sie kaum in kleinen Wertstückelungen.
  • Silber ist zwar selten, aber vor allem Industriemetall. Findet die Industrie Ersatz, wird sein Wert beeinflusst.
  • Edelsteine lassen sich, ähnlich wie Diamanten, nur von Fachleuten beurteilen. Ken günstiger Wertspeicher, wenn ich eines Tages zurückwandeln will.
Was bleibt? Gold?
Gold ist äußerst selten (0,005 ppm Masseanteil in der Erdkruste) UND sehr beständig, lagerfähig UND, für die Augen der meisten, »schön« UND leicht teilbar, in präzisen Gramm- und Unzen-Einteilungen.
Deswegen kamen die Menschen schon vor Jahrtausenden überein: Hier speichern wir Wert. Eine Übereinkunft, die bis heute gilt. Man schaue sich nur einmal Zeile 1 in den Bilanzen der Zentralbanken an. Von den großen Privatvermögen zu schweigen.
Das einzige Problem, dem Gold heute ausgesetzt ist, ist ein Berg von Derivaten, Wettpapieren auf künftige Wertentwicklung, so gut wie nicht gedeckt durch irgendeine physische Entsprechung und also derzeit bestimmend für den Goldpreis (nicht für seinen Wert).
Doch gemach. Diese gigantische Spekulationsblase wird platzen. Das Vertrauen in diese windige Form, Vermögen zu »speichern«, wird in nicht allzu ferner Zukunft verschwinden. Über Nacht.
Ja, »Gold«, noch korrumpiert durch die Papierwerte, wird dann in den Keller rutschen. 200-300 USD sind nicht ausgeschlossen.
Dann aber wird die Flucht in das Reale einsetzen. Die Nachfrage nach dem Physischen wird explodieren. Und nach kurzer Zeit, die sich das Physische aus dem Markt vollständig zurückgezogen haben wird (wer verkauft schon für 200 oder 300 USD/oz.!), wird der Wert des Physischen sich auf sehr natürliche Weise neu bilden: und Größenordnungen über dem durch Derivate verdeckten heutigen Preis.
Die Handlungsempfehlung ist klar: jetzt noch kaufen und halten. Billiger wird Gold (phys.) nicht mehr lange zu haben sein.
Papierwerte hingegen werden alle verbrennen. Alle. Denn wenn die Derivateblase von Gold kollabiert, werden die Marktteilnehmer, aufs Höchste geschockt, ihr Vertrauen auch allen anderen Derivaten entziehen. Der 13./15.April 2013 gaben ein ersten Vorgeschmack.
Man google: »Derivatives: The Unregulated Global Casino for Banks«.

-------
Vorstehenden Text veröffentlichte ich heute im Kommentarbereich von Die Presse, Wien, bei dem lesenswerten Artikel »Goldpreis macht auch Zentralbanken ›ärmer‹« von Nikolaus Jilch. Nikolaus Jilch hat vor kurzem ein zweites Blog gestartet, das sich ebenfalls mit dem »Freegold«-Szenario auseinandersetzt. Sein erstes Blog, mit weiter gefasstem Themenspektrum, erscheint hier.