Montag, 18. März 2013

Was ist ein Wertbesitz?



Was ist ein Wertbesitz?

Diese Frage musste mein Freund umgetrieben haben, als er mich kürzlich fragte, ob er einen teuren Newsletter abonnieren soll, der ihm erklärt, wie er sein Vermögen bewahren und ggf. vermehren kann.

Aha, dachte ich: Der schlaue Mann möchte aus Zahlen noch größere Zahlen machen. Mit Hilfe von Aktien, Anleihen, Schuldverschreibungen. Mit diesen Papieren kann man in der Tat gut handeln, und wenn man geschickt ist, erhält man am Ende mehr, als man vorher eingesetzt hatte. Mehr Zahlen auf dem Papier.

Was ich davon halte, fragte er mich.

Hier meine Antwort:

Lieber XY.

Ich habe inzwischen all diese Dienste abbestellt.

Für mich habe ich – Dank der gewissenhaften Unterrichtung durch FOFOAs Blog – erkannt, dass Vermögen, das man bewahren will, nie Tauschmittel sein darf, mit dem man handeln, sprich: weiteres Geld verdienen will. Denn Handel und Verdienst bedingen das Risiko. Vermögen und Risiko aber schließen sich aus.

Als Vermögen betrachte ich das Geld, das mir zur freien Verfügung steht (Gesamtvermögen minus Barmittel für den täglichen Bedarf).

Dieses Vermögen gilt es vielmehr gegenüber Fährnissen abzusichern: Ich möchte es behalten, um es eines Tages für gute Dinge einsetzen zu können. Und sei es »nur«, um meinen Kindern und Enkeln damit eine Frreude zu machen.

Daraus folgt, dass ich dieses Vermögen niemandem anvertrauen darf, dessen Prinzipien und Fertigkeiten für mich nicht transparent und vertrauenswürdig sind. Das aber trifft für keine Bank, kein Fonds, kein Unternehmen zu. Nimm als Beispiel die XY-Bank. Weiß ich wirklich, was dort mit meinem (!) an sie ausgeliehenen (!) Geld passiert, wenn sie es in meinem Sinn – Erhalt, evtl. Mehrung des Vermögens – investieren? Ich könnte nur hoffen und vertrauen.

Gewiss, man winkt mit »Zinsen« und »Rendite«. Aber was sind das für Beträge! Ich übertrage jemandem mein Haus, und als Gegenleistung baut er mir Jahr für Jahr eine kleine, hölzerne Hundehütte. Oder bringt auf seine Kosten einen neuen, schicken Briefkasten an, ein neues Klingelschild.

Und außerdem: Zinsen und Rendite sind nichts anderes als die Gegenleistung für das Risiko, dem mein Vermögen nun ausgesetzt ist. Wir hatten soeben aber festgestellt, dass ich genau das nicht wollen darf: Risiko für das, was ich behalten will.

Also gehe ich auf die Suche nach einem Wertespeicher, der folgende Kriterien erfüllt. Und Du wirst sehen: Während ich Kriterium für Kriterium scharf schalte, verringern sich meine Optionen Schritt für Schritt. Fangen wir an:

Der Wertspeicher wird seit langem auch von anderen Menschen dauerhaft (!) als Wertspeicher akzeptiert. Was nützt mir Wertvolles, über das meine Mitwelt nur die Nase rümpft? Diese Wertspeicher fallen mir ein: 


  • GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, LAND, IMMOBILIE, AKTIEN. (Das gilt aber keinesfalls für Geldscheine! Geldscheine sind nur kurzfristig Wertspeicher, nie werthaltig auf lange Sicht. Wir erinnern noch die Zeiten, als man die Geldscheine auf Schubkarren auf den Wochenmarkt fuhr – und das Restgeld wurde, weil das Zurückschlepen sich nicht lohnte, aufgekehrt zu preiswertem Brennmaterial?)
  • Der Wert befindet sich in meinen Händen, direkt und physisch. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Aktien sind nur verbriefte Werte, nie der Wert an sich! Mit dem Kauf einer Aktie habe ich ihren gegenwärtigen Wert komplett aus der Hand gegeben. Ob ich in zehn oder zwanzig Jahren noch einen entsprechenden Gegenwert zurückerhalte, steht in den Sternen.
  • Der Wert kann feinunterteilt werden. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Eine Wohnung, die beispielsweise 100.000 Euro wert ist, kann ich nicht in 20 kleine Parzellen aufteilen, wenn ich mal 5.000 Euro aus dem Vermögen herausziehen muss. Wer kauft mir das WC ab?
  • Der Wert ist transportabel. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Ich möchte mich ohne unüberwindbare Logistik-Probleme mit meinem Vermögen von A nach B bewegen können.
  • Ich habe Platz für Lagerhaltung. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN.
  • Es ist weitgehend unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Witterung, Lagerbedingungen, Feuer. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Kunst brennt leider, es sei denn, sie ist aus Beton oder Stahl.
  • Der Wert kann leicht, ohne Spezialexpertise, ermittelt und getauscht werden, ist also wenigstens zeitweise (Silber) anerkanntes »Geld«. Das gilt für GOLD, SILBER, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Münzhändler gibt es an jedem größeren Ort, und die seriösen unter ihnen können mit schnellen, einfachen Methoden den Wert einer Münze feststellen.
  • Der Wertgegenstand besitzt im Verhältnis zum Wert nur geringes Gewicht und Volumen. Das gilt für GOLD, SILBER, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Wenn 100.000 EUR in Silber rund 130 kg wiegen und ein Volumen von mindestens zwei großen Rucksäcken füllen, wiegen 100.000 EUR in Gold nur zweieinhalb Kilo, mit einem Volumen kaum größer als ein Pfund Butter.

An diesen Einsichten ändert sich für mich nichts mehr. Deshalb benötige ich keine weitere Expertise.

Der Newsletter XY möchte Dir zeigen, wie Du Dein Vermögen »arbeiten« lassen kannst. Dazu musst Du es zuerst hergeben. Dir bleibt anschließend nur die Hoffnung, es eines Tages wiederzusehen. Eine Garantie gibt es bei diesen Spielen nie.

Und dann noch ein Weiteres:

Nimm 100.000 Euro. Ein Versprechen auf Vermögen. Versprochene Kaufkraft. Potentieller Besitz. Dafür kaufst Du Aktien.

In zehn oder zwanzig Jahren will ich dieses Versprechen in echte Kaufkraft umwandeln. Zwischen Kauf und Rückhabe der Papiere steht die Zeit. Ist das noch dieselbe Kaufkraft wie heute? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht! Das Versprechen auf Kaufkraft schrumpft mit der Zeit. Wenn ich Pech habe, sogar dramatisch (Hyperinflation, Währungsrreform).

Du magst entgegenhalten: Dafür erhalte ich Dividende. Richtig. Aber dann musst Du auch sicher sein, dass Rendite und Zinsen mindestens Schritt halten mit der Inflation. Wer oder was gibt Dir diese Sicherheit? Deine Hoffnung. Mehr nicht.

Der eine oder andere Euro, der uns als Gewinn versprochen wird, mag also verlockend sein. Der Preis für diesen Gewinn aber ist das Risiko, das Vermögen ganz oder in Teilen zu verlieren. Das aber widerspricht dem Anspruch, Vermögen zu allererst zu schützen.

Du siehst: Man muss sich entscheiden: Will man sein Vermögen »arbeiten« lassen (hergeben) oder schützen (behalten)?

Wenn Du es schützen willst, arbeite die Liste oben ab.

Dann weißt Du auch, was Du besitzt, wenn auch bei uns einmal Zahltag ist. 


Und dann wissen auch Sie, was Sie besitzen, wenn einmal Zahltag ist.

Mit freundlichen Grüßen
ein anderer

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