Montag, 22. Juli 2013

Gold: Geld oder Gut?


Im neuen ZE!TPUNKT (Nr. 126, Juli/August 2013), einer schweizerischen, zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift »für intelligente Optimistinnen und konstruktive Skeptiker«, befasst sich Autor Geni Hackmann mit Gold – und verdammt es, wenn auch auf schweizerisch-freundliche Art, in Grund und Boden. Überschrift: »In der Disco zum goldenen Kalb«.

Manchmal ist es besser, einen Text, statt ihn im Detail zu zerpflücken, an einem entscheidenden Loch aufzuhängen – das ich bei diesem Text in den folgenden Sätzen verortet sehe, Zitat:
»Zum einen ist ein Tauschmittel, das in seiner Herstellung derart teuer ist, ein volkswirtschaftlicher Irrsinn. Zum anderen hat es nie genügend Gold, um den globalen Zahlungsverkehr zu sichern, geschweige denn, die Wertspeicherfunktion des Geldes zu gewährleisten.«
Geni Hackmann würfelt hier recht salopp die drei Funktionen durcheinander, die »Geld« immer hat. Was er mit diesen Sätzen wirklich gemeint hatte, ergab sich durch einen längeren E-Mail-Austausch, und um ihm gerecht zu werden, habe ich deshalb diesen Beitrag überarbeitet, die erste Version gelöscht und offeriere ihn hier neu.

Geld ist, siehe Wikipedia,

  • Zahlungsmittel: Geld als Geldmünze, als Geldschein.
  • Wertmaßstab/Recheneinheit: Geld als Geldeinheit, zum Beispiel 1 Schweizer Franken, ein Euro, ein US-Dollar, mit einer bestimmten Kaufkraft.
  • Wertaufbewahrung: Geld als Speicher für Vermögen.

Was davon ist Gold? Ist Gold überhaupt Geld? Und was ist ein Tauschmittel, von dem Geni Hackmann spricht?

Tauschmittel sind, wenn man in der Wikipedia nachschlägt, die Vorformen unseres heutigen Geldes. Salz gegen Brot, Kühe gegen Getreide, Gewürze gegen Waffen, Edelmetalle gegen Pferde. Gibt es diesen Tauschhandel heute noch? Können Sie einen Satz neuer Autoreifen erwerben durch Übergabe einer Unze Gold?

Ein Tauschmittel ist nicht Geld, es ist die Vorform von Geld. Tauschmittel sind werthaltige Güter, die im Direkttausch mit anderen Gütern ausgetauscht werden. Ist Gold heute noch ein Tauschmittel? Nein, definitiv nicht. Nicht nur, weil es so gut wie keinen Tauschhandel mehr gibt. Wir verkaufen unsere Güter vielmehr, erhalten einen Gegenwert in Form offizieller Zahlungsmittel, und mit diesen kaufen wir andere Güter ein. Ein Riesenfortschritt gegenüber alten Zeiten!

Gold ist aus dieser Sicht ein Gut wie jedes andere auch. Ich kaufe und bezahle es mit offiziellen Zahlungsmitteln, und wenn ich es wieder verflüssigen will, verkaufe ich es und erhalte den Gegenwert in Form offizieller Zahlungsmittel zurück.

Gold ist ein Gut, kein Tauschmittel.

Welche Rolle aber spielt Gold in den internationalen Währungsreserven? Die Zentralbanken horten eine Menge Gold. Zentralbanken haben offensichtlich etwas mit Geld zu tun. Ist Gold dann also doch Geld? Strenggenommen ja: wenn wir bei der Definition bleiben, dass Geld auch Wertspeicher sein kann. Das Gold der Zentralbanken ist Geld – im Sinne von Wertspeicher. So wie auch eine teure Gemäldegalerie »Geld« ist, im Sinne eines Wertspeichers!

Aber es ist klüger, von Gold nicht als Geld zu sprechen, sondern von einem werthaltigen Gut: das jederzeit in das gerade gewünschte Geld – Euro, Dollar, Yen – umgewandelt werden kann, durch Verkauf. Die Tresore der Zentralbanken sind in diesem Sinn nichts anderes als gut beschützte Wertspeicher. Gefüllt mit Gold, weil es leicht zu lagern, zu wiegen, wieder zu verkaufen ist: im Prinzip aber könnten in den Tresoren genauso gut die gesammelten Werke aller großen Meister liegen. Oder exorbitante teure Antiquitäten.

Der Grund, warum man sich für das Gut Gold entschieden hat, ist einsichtig: Für Gold gibt es immer einen Markt. Seit Menschengedenken. Für Antiquitäten, Bilder oder andere werthaltige Güter nicht.

Andererseits wird man das Konzept einer Währung, die sich auf Gold nur »bezieht« (»Währungskern«, Goldstandard), nicht noch einmal aus der Versenkung holen. Wer bislang Freude am Gelddrucken gehabt hatte (US-Dollar, Yen) oder zumindest an einer eher lockeren Geldpolitik (Euro) interessiert war, wird der letzte sein, der solch einer Wiederauflage überkommener Spielchen zustimmen würde.

Ja, einen Goldstandard, bei dem die umlaufende Geldmenge rückgekoppelt wurde mit einer vorhandenen Tonnage an Gold, gab es, mit verheerenden Folgen (1923/1930). Ihn wird es aber nie mehr geben. Warum? Wir haben uns weiterentwickelt! Zentralbanken und Regierungen haben längst erkannt, dass sie sich auf diese Weise nur strangulieren würden! Keine Ausweitung der Geldmenge mehr! Die Folge wären eine sofortige Deflation und Massenarbeitslosigkeit.

Was ein Euro, ein Schweizer Franken »wert« ist, muss natürlich der Markt entscheiden! Nicht eine Zentralbank, nicht eine Regierung! Ich wüsste nicht, wo außerhalb irgendwelcher spinnerter Esoterikzirkel solch ein Goldstandard wieder ernsthaft in Erwägung gezogen wird.

Wer das Thema vertiefen will, dem sei dieser Essay von FOFOA ans Herz gelegt. Und er behandelt den vielgehörten und auch von Geni Hackmann vorgetragenen Einwand, Gold könne irgendwann noch einmal »verboten« werden, gleich mit.

Und dann unterläuft Geni Hackmann noch ein leider ganz gravierender Denkfehler. Er sagt: »Es hat nie genügend Gold, um (…) die Wertspeicherfunktion des Geldes zu gewährleisten«. Wirklich nicht? Eine Unze Gold hat also einen Wert X. Und da draußen gibt es ein Vermögensvolumen von Y. Und dieses X und dieses Y passen nicht zusammen? »Zu wenig Gold«?

Wieso denn? Weiß denn irgendjemand, welchen Wert Gold »an sich« hat? Woran will man den Wert von Gold anders festmachen als einzig und allein daran, welchen Wert wir Menschen ihm zumessen? Etwa an seinen Förderkosten? Nach dieser Logik wäre dann auch ein Rembrandt-Gemälde in etwa so viel wert, wie der alte Meister damals Stunden, Farbe und Leinwand »investiert« hatte.

Nein. Gold zeichnet sich dadurch aus, dass es, sobald es die Erde verlassen hat, keinerlei »Wert an sich« besitzt (die wenigen Prozent industriellen Verbrauches übergehen wir hier großzügig, sie fallen bei dieser Überlegung nicht ins Gewicht). Gold ist »wertlos«, erst einmal. Zu nichts nutze.

Seinen »Wert« erhält es erst dadurch, dass wir Menschen in ihm ein überaus praktisches Mittel erkannt haben, (a) unsere Werte aus dem herrschenden Geldsystem heraustragen zu können (ganz ähnlich wie beim Kauf eines Rembrandt, eines Diamanten, eines alten Bugatti oder einer seltenen Briefmarke) und (b) den nun in das Gold gesteckten Wert über lange Zeit dort unverderblich aufbewahren zu können. Unverderblich, leicht unterteilbar (bei Diamanten ganz schlecht) und vor allem weltweit von jedermann geschätzt (gilt das auch für Briefmarken?) und damit weltweit liquide.

Das heißt: Wenn ich Gold kaufe, bewege ich Vermögen nicht nur in einen »sicheren Hafen«, sondern ziehe es komplett an Land: entferne es von allen Fährnissen, denen es sonst durch die Brandung der Konjunktur, durch die Stürme der Währungen und durch die Angriffe hungriger Meeresgiganten (Regierungen) ausgesetzt wäre.

Für diese dritte Funktion, die Geld immer hat – langfristiger Wertspeicher zu sein –, ist Gold immer genügend vorhanden! Weil es knapp ist, weil es andererseits aber auch in genügend großer Menge vorliegt (heute sind es 150 bis 160 Tsd. Tonnen), um jeden beliebigen Vermögensspeicherwunsch abbilden zu können. Wachsen die Sparwünsche, steigt einfach der Preis, fertig! Die vorhandene Menge an Gold ist immer ausreichend.

Entscheidend ist nur: Will man ein Geld, das alle drei Funktionen gleichzeitig erfüllen soll, wie es derzeit alle Fiat-Währungen für sich in Anspruch nehmen? Will man einen Vermögensspeicher, der regelmäßig an Wert verliert, weil er währungsabhängig und damit politikabhängig ist? Oder will man Geld, das Zahlungsmittel und Wertmaßstab ist, und daneben ein restlos entmonetarisiertes »Nicht-Geld«, das ausschließlich die Wertspeicherfunktion bisherigen Geldes übernimmt, nämlich Gold?

Glücklicherweise werden wir diese Entscheidung gar nicht mehr zu treffen haben. Das System steuert inzwischen von selbst darauf zu, nachdem es in den 1960er Jahren entsprechend auf den Weg gebracht worden war. Das legen jedenfalls die Indizien nahe, die im Blogspot FOFOA seit 2008 ausgebreitet worden sind.

Und damit komme ich zum Schluss: Warum haben die europäischen Zentralbanken vereinbart, kein Gold mehr zu verkaufen? Warum horten sie Gold? Nicht, um Gold zum »Währungskern« einer neuen Währung zu machen, wie Hackmann spekuliert. Zitat:
»Das Blasengeld mit dem Dollar als zentrale Heissluftpumpe wird platzen und ein neues System mit Gold als Währungskern wird an seine Stelle treten.«
Ja, der Dollar wird »platzen«. Das »neue System« aber, das hier angesprochen wird, steht längst in den Startlöchern. Der Euro. Er besitzt diesen Kern, in beachtlichem Ausmaß. Ca. 10.000 Tonnen Gold. Aber eben nicht im Sinne und zugunsten eines künftigen »Goldstandards«, sondern als Währungsreserve! Sprich: Kollabiert die Weltleitwährung Dollar, ist das Eurosystem immer noch handlungsfähig, weil es Zahlungsverpflichtungen intern und gegenüber dem Ausland nunmehr mit Hilfe seiner währungsunabhängigen Goldreserve abwickeln kann.

Jemand sagte einmal: Die eigentliche Funktion des Euro wird erst sichtbar werden, wenn der Dollar seine Funktion als Weltleit- und Weltreservewährung verloren hat.

Seine Goldreserve fehlt dem US-Dollar bzw. der Fed in dieser Form gänzlich. Das Gold, das die Fed einst besaß, hat sie aus guten Gründen – es gehörte ihr nämlich nicht, es war größtenteils gestohlen – dem Schatzamt der US-Regierung vermacht, gegen billigste Papiere, die die Unze Gold zu 42,22 US-Dollar eingepreist haben, bis heute!

Ja, das Dollarsystem geht, nach 100 Jahren, die es dieses Jahr alt werden wird, seinem Ende entgegen. Zu viele Schulden stecken in dieser Währung, zu wertlos sind seine Scheine geworden. Es wird diese Funktion, Weltleitwährung und Weltreservewährung zu sein, nicht mehr lange aufrechterhalten können. Übernehmen muss dann eine andere Währung – die stabiler ist und über respektable währungsunabhängige Reserven verfügt. Über Gold.

Wie der Privatmann oder die Privatfrau, die sich etwas zur Seite legen, für eine »Zeit später«. Legen sie ihr Vermögen direkt oder indirekt in Dollar an, haben sie keine Sicherheit. Inflation! Währungskollaps!

Und auch das in Euro angelegte Vermögen ist vor Wertverlust nicht gefeit. Mit der geplanten Finanztransaktionssteuer, um nur ein Beispiel zu nennen, werden, wie die FAZ am 19. Juli zu berichten wusste, die staatlichen Zuschüsse mehr als aufgefressen! Zehn Prozent Einbuße!

Gold hingegen wird seit Jahrtausenden als währungsunabhängiger Vermögensspeicher hochgeschätzt. Und wird auch nach einem Währungsschnitt wieder geschätzt werden. Es ist ohne Alternative: für Vermögen, das liquide bleiben soll. Also für alles Geld, das übrig bleibt, nachdem Sie für Ihr Wohl und das Ihrer Familie und Freunde gesorgt haben.

Es grüßt Sie,
ein anderer

Samstag, 29. Juni 2013

Vorfreude


Bild  © Wolfgang Dirscherl  / pixelio.de

Besitzen Sie? Fragen Sie sich, wie Sie mit Ihrem Besitz umgehen sollen? Stießen Sie dabei auch auf Edelmetalle und Gold? Waren Sie dem gelben Metall zugetan? Wundern Sie sich jetzt, wo seine Werthaltigkeit bleibt? Beginnen Sie, wenn Sie Goldbesitzer sind, sich Sorgen zu machen?
Gemach. Denn am Goldkurs der vergangenen Jahre können Sie vieles ablesen – nur nicht den Wert dieses edlen Metalls.
Der Goldkurs, wie wir ihn seit langem kennen, spiegelt zwar den Preis von Gold wieder, wie er sich vor allem an der wichtigsten Warenterminbörse, der New Yorker Comex, durch Angebot und Nachfrage ergibt. Aber: Das echte Metall, das an der Comex gehandelt wird, stellt nur einen Bruchteil des gesamten Goldhandels dar. Ja, man darf mit Fug und Recht behaupten: Das physische Gold spielt im Goldgeschäft der Comex so gut wie gar keine Rolle mehr. Der erdrückend größere Anteil des Goldhandels wird über reines Papier abgewickelt: Futures, Optionen, ETFs. Von Gold lediglich abgeleitete Werte. Derivate.
Nun sinkt der Goldpreis. Ja und? Denn dieser sinkende Goldpreis heißt nur: Der Wert der Derivate sinkt. Und das durchaus dramatisch. Na und? Das interessiert mich letzten Endes die Bohne. Ja, im Gegenteil: Ich bin darüber hocherfreut. Ich halte diese ganzen Wetten, dieses ganze Spekulieren und Hoffen und Bangen, dieses ganze Schieben und Setzen, all dieses aufgeregte, pseudo-professionelle »long-« und »short-Gehen« der modernen »Trader« für nichts als eine moderne Geisteskrankheit: buchstäblich von Irren.
Mich interessiert all dieser, verzeihen Sie bitte, Papierdreck nicht. Und, sehr offen gestanden: Mich interessieren auch die Menschen nicht, die sich tagein, tagaus in dieser abartigen, verqueren Welt aufhalten.
Was tragen sie denn Nützliches zum Leben bei? Wozu sind sie gut? Wer hat etwas von ihrer Arbeit? Wem dienen sie? Ihre sogenannte »Arbeit« ist zu nichts nutze, nutzt niemandem außer vielleicht kurzfristig ihnen selbst.
Das gesagt, kehre ich zurück zu der Frage: Was ist mit Gold?
Gold ruht und wartet. Auf seinem Rücken, auf seinem Gesicht trampeln zwar Verrückte herum, decken es zu mit ihren computergesteuerten Auswürfen, verzerren es im Spiegel ihres Wahns – ich sehe es trotzdem. Für mich ist es längst von diesem Schleier der Unwissenheit befreit.
Und auch »der Markt«, das sehen wir jetzt, befreit sich von dieser Fata Morgana. Er lässt all dieses »Papiergold«, wie es richtig genannt wird, zunehmend in seiner Gunst fallen. Der Preis dieser dreckigen Derivate ist seit Dezember 2012 um über 30% abgestürzt und hat seinen Sturz noch nicht gebremst. Das Inventar des größten Goldfonds der Welt (SPDR), jener gesitteten Variante der Goldspekulation, verlor von seinen rund 1350 Tonnen seit dem 7. Dezember fast 400 Tonnen, steht heute bei nur noch knapp 970 Tonnen.
Legt man die Kurve des Goldpreises über die Kurve des SPDR-Inventars, zeigt sich fast eine 1:1-Deckung. Ein besseres Indiz, dass Goldpreis und Goldspekulation Hand in Hand gehen, kann es kaum geben.
Und also ist der Abfluss aus dem SPDR-Fonds ein willkommenes Zeichen dafür, dass sich die Ära der Goldspekuklation ihrem Ende nähert. Ich gehe hier 1:1 konform mit FOFOA, der auf diese Verbindung seit Jahren verweist.
Und das ist der Grund, warum viele FOFOA-Leser sich von allen anderen Goldliebhabern dieser Welt diametral unterscheiden in ihrer Reaktion auf den fallenden Preis: Statt sich zähneknirschend dümmliche Durchhalteparolen zuzurufen (»Der Boden ist bald erreicht!«, »Bald wird’s wieder bullish!«), schauen sie dem Absturz gelassen zu und hoffen nur eins: dass er sich nun endlich beschleunigen möge.
Gut, das Wort »gelassen« ist etwas zu groß. Es ist viel wilder: FOFOAs Leser fiebern regelrecht dem Goldabsturz entgegen. Warum?
FOFOA hat in zahlreichen seiner klugen Essays gezeigt, dass das Ende der Goldspekulation keineswegs das Ende von Gold bedeutet, wie ein offensichtich bar jeden Kundigseins agierender Handelsblatt-online Chef, Oliver Stock, gestern hoffend ausgerufen hatte (die womöglich beste Zusammenballung dümmlicher Aussagen, die man über Geld und Gold nur treffen kann, insofern muss man es gesehen haben).
Der Goldpreisverfall ist der Verfall des Vertrauens in das üble Derivategold, das das physische Gold, diesen zentralen Wertspeicher, überdeckt. Warum sonst ist Gold seit vielen Jahren wieder zur wichtigsten Reserve der europäischen Zentralbanken geworden?
Wenn dieser Papiermarkt endgültig ausgedünnt ist und der Handel mit Produkten dieser Art zum Erliegen kommt, dann erst – und erst dann – besteht die Chance, dass wir wieder vom Wert des Goldes sprechen können. Weil dann, nach kurzer Schockstarre, der Handel endlich wieder mit echtem Gold statt mit seinen kindischen Papierderivaten einsetzen kann.
Es ist richtig: FOFOAs Leser fiebern diesem Moment auch deshalb entgegen, weil mit dieser Befreiung physischen Goldes von seinem Derivatedreck zwangsläufig eine Neubewertung des Goldes verbunden sein wird. Wenn das, was die Preisbildung bislang geprägt hat – die Spekulation – zu Ende ist, muss selbstverständlich neu geprüft werden: Was ist denn heute das Metall, für sich allein, ohne Derivate-Einfluss, eigentlich wert?
Nehmen Sie es gelassen hin, wenn man diesen Preis im Voraus nicht bestimmen kann. Man kann ihn lediglich schätzen. Und diese Schätzung auf einer Verteilungskurve auftragen. Hier kann man solch eine Wahrscheinlichkeitsrechnung in zwei Grafiken bewundern. Aber erschrecken Sie nicht: Die Schätzung reicht von 10.000 bis 100.000 Dollar pro Unze. Und zeigt ihren Scheitel bei etwa 55.000 Dollar. In heutiger Kaufkraft, wohlgemerkt. Die zu erwartende Hyperinflation des Dollar ist hier nicht eingerechnet.

Spekulanten, die bis hierhin denn doch mitgelesen haben, sei noch ins Stammbuch geschrieben: Ihre Positionen, gleichgültig, wo Sie sie gesetzt haben, werden von dieser Entwicklung nicht nur ignoriert werden, sondern werden in sehr vielen Fällen durch diese Neubwertung, durch die Befreiung des Goldes von seinen Derivaten, massive Verluste erleiden. Die Neubewertung von Gold wird sich laut FOFOA als Neubewertung gegenüber ALLEN anderen Anlageklassen und Werten erweisen.

Meine Zeit für dieses Blog ist sehr begrenzt. Dieser Post sollte den wenigen, die bisher mitlasen, nur sagen: Wenn Sie physisches Gold zur Grundlage Ihrer Vermögenssicherung gemacht haben, liegen Sie aus Sicht vieler kluger Leute absolut richtig. Und aus Sicht FOFOAs dürfen Sie sich sogar äußerst entspannt zurücklehnen und zuschauen. Wenn Sie wollen, sogar genüsslich.
Die vertrackte, an ihrer eigenen Unlogik erstickende (Gold-)Derivate-Welt beginnt jetzt, vor Ihren Augen, eines sehr natürlichen Todes zu sterben. Es wird ein Tod mit Pauken und Trompeten sein, denn er wird vieles nach sich ziehen: den Einsturz anderer Derivate-Märkte, den Kollaps des Dollar, und, am Wichtigsten: eine vollkommene Neuorientierung des Menschen in Sachen Vermögen, Werte, Sparen und Geld.
Aber lassen Sie das ruhig auf sich zukommen. Professioneller Journalismus wird nicht aussterben, aller Dummheit, die er ab und zu generiert, zum Trotz. Und dieser Journalismus wird Sie, wenn der Knall vorüber ist, sehr schön, Stück für Stück, darüber aufklären, was diesem Erdbeben vorangegangen war, warum es unvermeidlich war und wie die Welt nach ihm nun zu funktionieren beginnt.
Sie müssen also FOFOA nicht unbedingt  lesen. Genießen Sie nur seine Perspektive. Das reicht.

Montag, 13. Mai 2013

Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Bild © Petra Bork / PIXELIO

Sie lieben Sprichworte? Ich auch. Denn oftmals enthalten sie eine tiefe Wahrheit, und genau deshalb wurden sie von Generation zu Generation weitergereicht.
Eines dieser Sprichworte, die ich in letzter Zeit wieder so schätzen gelernt habe, ist dieses: »Schuster, bleib bei deinen Leisten!« Ein wunderbares Wort. Insbesondere, wenn es um Vermögensverwaltung, Sparen, Absicherung, Vorsorge geht.
Ich will Ihnen an einem ganz aktuellen Beispiel zeigen, wie das eine mit dem anderen zusammenhägt. Zuvor aber kurz: Was ist mit diesem Sprichwort eigentlich gemeint?
Was ein Schuster ist, wissen wir noch, auch wenn z.B. in meiner Stadt (immerhin bald 200.000 Einwohner) nur noch eine Schusterin ihren Dienst tut. (Wir kaufen nicht mehr werthaltig, sondern billig, und reparieren nicht mehr, sondern werfen weg und kaufen neu.)
Aber was ist eine Leiste in diesem Zusammenhang? Sehen Sie, schon falsch geraten. Es geht hier nicht um die Leiste. Sondern um den Leisten, der im Plural ebenfalls Leisten heißt.
Und der Leisten, das ist jenes in Handarbeit angefertigte Stück Holz, mit dem der Schuster den Fuß seines Kunden nachgebaut hat. Und mit dessen Hilfe er nun die Schuhe des Kunden anfertigt: jahrein, jahraus.
Was will uns dieses Sprichwort nun sagen? Es will einerseits sagen, und so wird es meist benutzt: Lieber Schuster, Schuster zu sein ist den Beruf. Versuche nicht, nebenher auch noch den Meister im Bäckerhandwerk zu spielen. Bleib bei dem, was du gelernt hast. Bleib bei deinen Leisten.

Für mich klingt das immer etwas abfällig. »Misch dich nicht ein.« »Von diesem Thema verstehst du sowieso nichts.«

Aber man kann dieses Sprichwort auch noch etwas anders verstehen und benutzen, und ich finde, dann gewinnt es:
Lieber Schuster, du hast dir mit deinen Leisten, die du für deine Kunden angefertigt hast, viel Mühe gemacht. Du hast mit einem Großteil deiner Leisten eins ums andere Mal passende Schuhe hergestellt, und die Kunden waren’s zufrieden. Deine Leisten funktionieren gut. Sie haben ihren ›Test der Zeit‹ bestanden. Du verstehst sie. Du weißt, wo du die Schuhe nachbessern musst, weil auch ein noch so guter Leisten nicht perfekt sein kann. Und du weißt, wo du im Lauf der Zeit den Leisten deines Kunden nachbessern kannst, denn sein Fuß verändert sich. Diese Leisten kennst du in- und auswendig. Mit ihnen wird jeder Schuh gut. Bleib dabei. Versuche nicht, Schuhe mit dem Leisten eines Schusterkollegen herzustellen. Jeder baut in seine Leisten sein eigenes Wissen ein. Baue dir deine eigenen Leisten. Die verstehst du. In denen kennst du dich aus. Bleib bei deinen Leisten. Dann gehst du kein unnötiges Risiko ein. Und alles wird gut.
Schön, nicht wahr? Ermutigend. Bestätigend. Du kannst etwas, du hast etwas geschaffen, und darauf kannst du stolz sein und vertrauen. Hier hast du Sicherheit.

Und sicher ahnen Sie auch schon, auf was ich hinauswill: denn noch befasse ich mich auf diesem Blog mit Geld, Vermögen, Werten, mit Ersparten und zu Sparendem. Es ist das Wort »Risiko«, das Sie aufhorchen ließ, richtig?
Ja, das Risiko. Da arbeiten wir fleißig (oder erben nett, wollen also die Arbeit unserer Eltern und Großeltern in Ehre halten), haben etwas Geld übrig am Jahresende, wollen es nicht ausgeben, sondern sparen: und stehen nun vor dem schier unlösbaren Problem, was damit tun. Denn überall winkt – das Risiko! Das Risiko, dass ich mich verspekuliere. Das Risiko, dass sich das Geld in Luft auflöst. Das Risiko, dass es mir ganz oder in erheblichem Umfang genommen wird (ja ja, der Staat, auch so ein »treuer Freund und Helfer«; siehe Zypern …).
Dann das Risiko, dass ich langfristig anlege, aber wider Erwarten kurzfristig an das Geld heran muss: unerwartete Reparaturen, Autokauf, Ausbildungshilfe für die Kinder, Umzug, Arbeitslosigkeit …
Wie spare ich also an? Ohne Risiko?
Gerd Gigerenzer, Professor für Psychologie , geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin, und seines Zeichens Risikoforscher, hat versucht zu helfen. In einem Beitrag für das Handelsblatt, der heute erschien, sagt er:
»Viele Anleger lassen sich in Finanzprodukte mit horrenden Zinsversprechen locken, andere legen ihr Geld gegen Minizinsen aufs Bankkonto. Letztlich drohen beiden Gruppen Verluste. Sind die Deutschen zu dumm für Geldanlage?«
Nein, sagt Gigerenzer, ihnen fehle es nur an Risikokompetenz.
Risikokompetenz, so führt er aus, bedeute,
»solides Grundwissen: Was sind beispielsweise Zinsen, was sind Zinseszinsen? Außerdem muss er die Rollenverteilungen und Interessenkonflikte im Markt verstehen: Woran verdienen Unternehmen, Banker und Berater? Warum werden bestimmte Produkte empfohlen? Was bedeutet es, wenn man Schulden aufnimmt und was passiert mit Geld, das ich zur Bank bringe?«
Und da dieses Wissen nicht vorhanden sei, seien die Lehrpläne umzuschreiben: schon an den Grundschulen. Damit schon die Kinder fit werden für die Welt hochkomplizierter Finanzprodukte!

Überkommt Sie da nicht auch ein dummes Gefühl? Mich auch. Lassen wir einmal die Kinder beiseite. Wie geht es Ihnen selbst bei dem Gedanken, Sie müssten die ganze Welt der Banken, der Zinsen, der Anlageklassen, all der »shorts« und »longs«, womöglich auch noch all der »Futures« und »Optionen«, der Derivate und Leerkäufe verstehen? Bevor Sie wissen können, wie Sie Ihr Erspartes am besten verwalten?

Ich will Ihnen sagen, wie es mir dabei geht. Mich widert diese ganze Finanzwelt nur an. Ich will möglichst wenig von ihr wissen. Denn meine Zeit ist mir für diesen überkomplexen, hochkomplizierten Kram einfach zu schade. Viel zu schade. Ich lebe nicht, um zu sammeln – ich sammle, um auch in Zukunft gut zu leben!

Mir kommt es gar nicht darauf an, ob und wieviel mein Erspartes »wächst«. Ich will gar nicht wissen, welche Risiken ich eingehe, wenn ich mich mit meinem Gegenüber auf drei oder vier Prozent Rendite oder Zinsen einige (was schon viel ist heute). Mir reicht es stattdessen, wenn mein Erspartes in zehn oder zwanzig Jahren, wenn ich es benötige, in etwa die Kaufkraft besitzt, die es heute auch hat. Warum das System übervorteilen? Warum mehr herausholen, als ich hineinstecke? Dieses Denken ist mir vollkommen fremd.

Nun könnte man sagen: Du musst nicht alles wissen, wenn die Dinge zu kompliziert werden für dich. Du hast doch deinen Berater!

Ach, die lieben »Berater«. Zitat Gigerenzer:
»Viele Anleger glauben immer noch, dass der Bankberater nur das Beste für sie will. Dabei ist er in erster Linie der Bank verpflichtet. Dazu gehört auch, dass er Instruktionen bekommt, welche Produkte er verkaufen soll. Bei Vertragsabschluss bekommt die Bank oder auch er selbst eine Provision. Der Berater befindet sich also in einem Interessenkonflikt, denn das empfohlene Produkt ist meist nicht das Beste für den Kunden.
Dahinter muss nicht immer Absicht stecken. Studien zeigen, dass die Berater häufig selbst nicht genau wissen, wie die Produkte funktionieren. Das fällt den Kunden aber gar nicht auf, weil sie keine kritischen Fragen stellen.«
Hervorhebung durch mich. Das heißt: vergiss Deine Berater! Samt und sonders! Sondern fang an, selber zu denken. Noch einmal Gigerenzer:
»Eine ganz einfache Regel für die Geldanlage lautet ›kaufe nur das, was du verstehst‹.«
Gute Regel. Ist alt. Hat nur einen Haken: wird viel zu selten beachtet. Auch von Prof. Gigerenzer nicht. Denn was rät er Ihnen, um die Risiken zu mindern? Zuerst sagt er noch richtig:
»Je komplexer das System ist, desto wichtiger sind einfache Strategien.«
Wunderbar! Dann aber kommt’s: Gigerenzer empfiehlt, um die Dinge »einfach« zu halten, eine extrem komplizierte, hochkomplexe Anlagestrategie, die nur einfach klingt, es aber in sich hat. Lassen wir ihn selbst sprechen:
»Verteile dein Geld gleichmäßig. Anleger sollten also alle Anlagen gleich gewichten. Auch die Anlageklassen sollten gleich gewichtet sein, zum Beispiel je ein Drittel Aktien, Anleihen und Immobilien.«
Das einzige, was an dieser Strategie »einfach« ist, ist die Drittelung. 33,33 Prozent ausrechnen, das kann in der Tat jeder. Aber danach ist schon Schluss mit jeder »Einfachheit«!

Ich muss, wenn ich Gigerenzer folgen wollte, beispielsweise etwas von Aktien verstehen. O Gott! Wenn man bei denen nachliest, die von Aktien wirklich etwas verstehen – zum Beispiel Warren Buffet –, dann liest man dort, dass man nur in solche Firmen investieren sollte, die man sehr genau kennt. Und »kennen« heißt nicht nur, dass man weiß, was sie produzieren. Sondern auch: Wie sieht das langfristige Geschäftsmodell aus. Welche Personen stehen dem Unternehmen vor. Wie sind die Besitzverhältnisse verteilt. Wie hoch ist das Unternehmen verschuldet. Wie sehr ist es von der Konjuktur im Ausland und/oder Inland abhängig. Welche langfristigen Aussichten haben die Produkte, die das Unternehmen herstellt oder vertreibt. Und und und!

Das heißt: Wer in Aktien investiert und das nicht aus einem Vollzeitengagement heraus tut, verhält sich schon fahrlässig. (Und ob er dann Glück hat mit seiner Anlage, ist gleichwohl offen.)

Sodann Anleihen. Anleihen! Wenn es ein Wort gibt, das ich hassen gelernt habe in den letzten Jahren, dann ist es die »Anleihe«. Firma XY »begibt eine Anleihe auf dem Markt«. Staat YZ »emittiert eine Anleihe« auf dem Markt. Welch unendlicher Sprachschwindel!

Wenn eine Firma oder ein Staat eine Anleihe »begibt« oder »emittiert«, dann gibt sie nichts und veräußert auch nichts. Ganz, ganz im Gegenteil. Das Unternehmen, der Staat tritt vielmehr als Bettler auf, hält Ihnen die Hand unter die Nase und will, dass Sie etwas geben. Man will nehmen und nicht geben! Man bittet Sie, dass Sie etwas hergeben! Sie sollen Ihr Vermögen ausleihen! Nichts wird »gegeben«. Da wird ausschließlich genommen.

Oh, ich vergaß: Doch, Sie bekommen etwas. Einen Zettel! Einen dummen, wertlosen Wisch Papier, auf dem nichts anderes steht als ein Vertrag! »Wir, die Bettler, bestätigen, dass Sie, der Vermögende, uns Ihr Geld ausgeliehen haben. Sie erhalten es, wenn alles gut geht (Einzelheiten regelt das Kleingedruckte), eines Tages zurück, und wenn alles noch besser läuft, erhalten Sie sogar noch bisschen obendrauf. Versprochen! Gegen unvorhersehbare Unbill und sonstige von uns nicht zu verantwortende Entwicklungen sind natürlich auch wir nicht geschützt. In diesem Fall kann es sein, das Sie nicht mehr alles zurückerhalten. Und wenn’s ganz dumm läuft, erhalten Sie gar nichts mehr zurück. Und ob die Summe X, die wir Ihnen jetzt erst einmal – mit allen Einschränkungen! – versprechen, zum Tag Y dann noch das wert ist, was sie heute wert ist, also die Kaufkraft besitzt, die sie heute besitzt, können wir Ihnen erst recht nicht garantieren. Sie und ich, wir beide wissen ja nicht einmal, ob die Währung, auf die dieser Bettlerschuldschein ausgestellt ist, dann noch existiert!« (Letzteres steht zwar meist nicht auf diesen Zetteln oder nicht genau so, aber leitet sich aus dem Rest des Kleingedruckten und aus den vorhandenen einschlägigen Gesetzen ab.) Einfach? Ja. Einfach nur dumm.

Das letzte Drittel von Gigerenzers »Einfachheit« ist in seinem Beispiel den Immobilien gewidmet.
Endlich, da habe ich doch was in der Hand, richtig? Etwas so Großes, dass ich sogar drumherum- und hineingehen kann. Phantastisch! Mit Fenstern zum Rausgucken auf all die armen Schlucker! Dach überm Kopf!
Aber halt mal, habe ich eigentlich so viel übrig, dass ich mit einem Drittel meines Ersparten gleich eine ganze Wohnung kaufen kann? Oder gar ein ganzes Haus? Nein, dazu reicht es erst einmal nicht. Also gehe ich auf die Suche nach einem Immobilienfonds. Da, wo viele, die ihr Vermögen wie ich schlau und »einfach« verteilen wollen, auch mittun. Wir zahlen gemeinsam ein – und die Fondsgesellschaft kauft für uns alle dann einen großen Häuserblock. Eine ganze Straße. Ein großes Neubaugebiet. Und alles ist Paletti! Ich habe ein Drittel meines Vermögens in Immobilien »investiert«.

Ach, wie stolz bin ich. Ich bin Investor! Klingt gut, nicht wahr? Zwar noch kein Großinvestor, aber von dessen Licht fällt auch bisschen was auf mich herab.
Nur, haltmal: Sind der Häuserblock, die Straße, das Viertel auch wirklich rentabel? Was ist, wenn die nahegelegene Großfirma dichtmacht, die Leute arbeitslos werden und ihren Block, ihr Viertel, ihre Stadt verlassen? Dann fallen die Mieten? Dann geht der Fonds vielleicht pleite? Dann erhalte ich mein Geld vielleicht nicht mehr zurück?

Und was ist, mal so nebenbei, wenn ich kurzfristig dann doch einmal an mein Erspartes heranmuss? Verkaufe ich dann ein paar Fenster? Oder nehme mir ein halbes Dach?

Auf jeden Fall muss ich mich auch hier schlau machen, sehr schlau! Muss etwas von Stadtentwicklung, Wirtschaftsentwicklung verstehen, von Konjunktur gar und langfristiger Bevölkerungsentwicklung … Oh je! Was ist daran »einfach«?

Ach so, ich kann ja zum Berater gehen? Der weiß das dann alles? Aber haben wir nicht gerade gehört, das auch die Berater …

Lieber Herr Gigerenzer. Warum machen Sie uns das Leben nur so dermaßen schwer? Ich sage Ihnen, wie ich es mache! Und »berate« nicht, sondern rege, viel besser, nur zum Nachdenken an.

Bevor ich »investiere«, sorge ich erst einmal dafür, dass ich vollständig schuldenfrei bin. In dieser Hinsicht: frei. Niemandes Sklave. Von nichts und niemandem abhängig. Welch ein Gewinn an Sicherheit! Mein eigener Herr! (Und wenn ich verschuldet gewesen sein sollte, dann werde ich gelernt haben, mich einzuschränken und sparsam mit meinem Geld umzugehen: bis ich schuldenfrei war.)

Sodann durchleuchte ich meine Ausgaben und prüfe: Was benötige ich wirklich? Auf was kann ich leichten Herzens verzichten? Was ist teures Prolo-Verhalten, und was ist relevant? Jeder hat es in der Hand.

Dann sorge ich für einen etwas nachhaltiger eingerichteten Keller. Den einen oder anderen Vorrat all dessen, was man so benötigt. Es können auch einmal schlechtere Zeiten kommen! Nicht nur die natürlichen Wirbelstürme rücken näher. Auch die künstlich entfachten, wie man im Umfeld z.B. der Wall Street ab und an vernehmen kann.

Und dann bleibt Geld übrig: das ich in der Tat »einfach« verwalten will. Ich vermeide ganz bewusst die Begriffe »anlegen« und »investieren«! Ich habe etwas gespart, und damit gilt es nun, verantwortungsvoll und klug umzugehen. Es zu verwalten. Nicht mehr, nicht weniger.

Und jetzt kommt wieder der Leisten ins Spiel: Ich tue nur das, was ich verstehe. Nichts verstehen tue ich von den undurchdringlichen Aktienmärkten. Nichts verstehe ich von der Immobilienwelt. Und was hatten wir noch? Ach ja, die »Anleihen«. Ok. Davon verstehe ich zwar nicht alles, aber das Wichtigste: Da will jemand an mein Geld. Das ich doch gerade dabei war, abzusichern, zu behalten und zu verwalten! Forget it.

Was bleibt? Ja, es ist schon witzig: Wenn Handelsblätter anfangen, über Vermögensverwaltung zu sprechen, übersehen sie wie zufällig immer wieder genau das, womit die Menschen seit Jahrtausenden ihr Vermögen behalten.

Sie »übersehen« das Einfache – vielleicht, weil so viele Berater das Blatt abonniert haben? Die leben davon, dass die Finanzwelt kompliziert ist!
Sie »übersehen« das Sichere – vielleicht, weil so viele Bankdirektoren mitlesen? Die leben davon, dass Ihr Geld – ja Ihres! – »ins Risiko geht«, ins Komplizierte!
Sie »übersehen« das Preiswerte – vielleicht, weil drumherum so viele teure Finanzprodukte geworben haben?
Sie »übersehen« das Variable – vielleicht, weil auch die Immobilienspekulation und die zigtausenden falsch beratenen Immobilienfondsbesitzer mitlesen?
Sie »übersehen« das Unvergängliche – weil diese Kategorie einem Blatt, das von der Vergänglichkeit täglicher Nachrichten lebt, vollkommen abgeht, sozusagen das große Undenkbare ist für diese Kategorie von Verlag.

Von der Schönheit will ich noch gar nicht sprechen.

Sehen Sie jetzt leichter, was Ihr »Leisten« ist, bei dem Sie »bleiben« sollten, wie das Sprichwort sagt? Hat dieser Text Sie zum Nachdenken angeregt? Zu etwas mehr Eigenständigkeit?

Das würde mich freuen.

Beste Grüße
ein anderer

PS: Ach, Sie wollten noch wissen, von was ich da zuletzt sprach? Was denn das für eine wundersame, schier ideal scheinende Vermögensverwaltung sei, die da so einfach, so sicher, so preiswert, so variabel, so unvergänglich, ja sogar auch noch so schön ist?
Denken Sie nach ;)

Donnerstag, 18. April 2013

Geld

Kein Zweifel: Wir benötigen Geld – um Wert von A nach B zu transportieren. Nur – was ist Geld?
Geld ist Dreierlei: Währungseinheit (1 Euro, 1 Dollar, 1 Yen), Tauschmittel (der 100-Dollar-Schein, der 5-Euro-Schein) und Wertspeicher (die Ziffern auf Ihrem Kontoauszug).
Jeder, der Geld besitzt, das er nicht sofort umtauschen möchte in Sachwerte, benötigt einen stabilen, Jahre und Jahrzehnte überdauernden Wertspeicher.
Währungen und währungsgestützte Tauschmittel erfüllen diese Bedingung nicht. Sie sind abhängig von politischen Entscheidungen. Die durchschnittliche Lebensdauer von Währungen beträgt, wie ich irgendwo gelesen habe (Quelle?), bislang nur 40 (vierzig!) Jahre.
Zudem: Was halte ich in der Hand, wenn mir gesagt wird, mein Vermögen betrage x Euro? Ich halte nur ein Versprechen auf die Kaufkraft von x in der Hand. Ich besitze also nichts als einen Schuldschein auf Ware. Ich bin Gläubiger.
Damit aber bin ich auf Gedeih und Verderb den Schuldnern ausgeliefert.
Zypern ist ein Lehrstück: Die Banken schuldeten den Menschen Vermögen, am Ende hieß es: April, April.
Als langfristiger Wertspeicher taugt nur, was dem Auf und Ab von Währungen nicht unterliegt. Was nicht Schuld ist, sondern Besitz.
In Frage kommen teure Antiquitäten, seltene Briefmarken, alte Autos, berühmte Bilder, edle Steine, Land vielleicht und die selbstbewohnte Immobilie und manches mehr. Kommt der Tag X, verkaufe ich, wandle den Wert wieder zurück in die dann jeweils geltende Währung – und erstehe mit diesem Tauschmittel die Waren meiner Wahl.
Hier kommt jedoch noch eine Forderung, die ich an einen Wertspeicher zu stellen habe, ins Spiel: Er soll möglichst leicht und überall und von jedem als Wertspeicher anerkannt sein. Für den Oldtimer muss ich den passenden Liebhaber finden. An Kunst ist nicht jeder interessiert. Und das Land nutzt vielleicht niemandem etwas, wenn ich es verkaufen will.
Wenn ich einen Wertspeicher suche, der leicht zu tauschen ist, der währungsunabhängig ist, der vielleicht auch leicht zu transportieren und leicht zu lagern ist, dann reduzieren sich die Optionen sehr schnell: Es bleiben z.B. Diamanten, Edelsteine, Edelmetalle.
  • Die Echtheit von Diamanten ist schwer zu beurteilen. Und es gibt sie kaum in kleinen Wertstückelungen.
  • Silber ist zwar selten, aber vor allem Industriemetall. Findet die Industrie Ersatz, wird sein Wert beeinflusst.
  • Edelsteine lassen sich, ähnlich wie Diamanten, nur von Fachleuten beurteilen. Ken günstiger Wertspeicher, wenn ich eines Tages zurückwandeln will.
Was bleibt? Gold?
Gold ist äußerst selten (0,005 ppm Masseanteil in der Erdkruste) UND sehr beständig, lagerfähig UND, für die Augen der meisten, »schön« UND leicht teilbar, in präzisen Gramm- und Unzen-Einteilungen.
Deswegen kamen die Menschen schon vor Jahrtausenden überein: Hier speichern wir Wert. Eine Übereinkunft, die bis heute gilt. Man schaue sich nur einmal Zeile 1 in den Bilanzen der Zentralbanken an. Von den großen Privatvermögen zu schweigen.
Das einzige Problem, dem Gold heute ausgesetzt ist, ist ein Berg von Derivaten, Wettpapieren auf künftige Wertentwicklung, so gut wie nicht gedeckt durch irgendeine physische Entsprechung und also derzeit bestimmend für den Goldpreis (nicht für seinen Wert).
Doch gemach. Diese gigantische Spekulationsblase wird platzen. Das Vertrauen in diese windige Form, Vermögen zu »speichern«, wird in nicht allzu ferner Zukunft verschwinden. Über Nacht.
Ja, »Gold«, noch korrumpiert durch die Papierwerte, wird dann in den Keller rutschen. 200-300 USD sind nicht ausgeschlossen.
Dann aber wird die Flucht in das Reale einsetzen. Die Nachfrage nach dem Physischen wird explodieren. Und nach kurzer Zeit, die sich das Physische aus dem Markt vollständig zurückgezogen haben wird (wer verkauft schon für 200 oder 300 USD/oz.!), wird der Wert des Physischen sich auf sehr natürliche Weise neu bilden: und Größenordnungen über dem durch Derivate verdeckten heutigen Preis.
Die Handlungsempfehlung ist klar: jetzt noch kaufen und halten. Billiger wird Gold (phys.) nicht mehr lange zu haben sein.
Papierwerte hingegen werden alle verbrennen. Alle. Denn wenn die Derivateblase von Gold kollabiert, werden die Marktteilnehmer, aufs Höchste geschockt, ihr Vertrauen auch allen anderen Derivaten entziehen. Der 13./15.April 2013 gaben ein ersten Vorgeschmack.
Man google: »Derivatives: The Unregulated Global Casino for Banks«.

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Vorstehenden Text veröffentlichte ich heute im Kommentarbereich von Die Presse, Wien, bei dem lesenswerten Artikel »Goldpreis macht auch Zentralbanken ›ärmer‹« von Nikolaus Jilch. Nikolaus Jilch hat vor kurzem ein zweites Blog gestartet, das sich ebenfalls mit dem »Freegold«-Szenario auseinandersetzt. Sein erstes Blog, mit weiter gefasstem Themenspektrum, erscheint hier.

Donnerstag, 21. März 2013

Alternativlos

<a href="http://www.canstockphoto.com">(c) Can Stock Photo</a>
(c) Can Stock Photo


Wenn etwas als »alternativlos« bezeichnet wird, sollten wir bekanntlich hellhörig werden. Alternativlos heißt: Wir sind nicht mehr frei. Und das spüren wir. Es fühlt sich ganz und gar nicht gut an. Alternativlose Situationen meiden wir deshalb instinktiv und zu Recht.

Nachdem ich vor drei Jahren begonnen hatte, mich intensiver mit der aktuellen Finanzkrise zu beschäftigen und bei den Recherchen dann auch auf den mysteriösen Blogger FOFOA stieß, ging es mir in der Tat so: Ich hatte den Eindruck, jetzt wohl notgedrungen alles auf ein Pferd setzen zu müssen und in einer alternativlosen Sackgasse gefangen zu sein. Denn FOFOA ist ein Verfechter physischen Goldes als einzigem dauerhaften Wertspeicher.

Und damit war ich eine Zeitlang nicht einverstanden. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass es genau andersherum ist.

Der Besitz physichen Goldes heißt: Zurückholen aller Optionen zu uns selbst, Wiedergewinnung aller Optionen, die wir aus der Hand gegeben haben, Rückabwicklung aller fremdbestimmten Optionen, die wir »in der Welt« plaziert haben, hin zu uns selbst.

Wir begeben uns in Abhängigkeiten, wenn wir unsere Optionen abgeben. Wir werden frei, wenn wir alle Optionen zurücknehmen, zu uns. Das ist spirituell so, und das ist auch materiell so.

Spirituell werden wir frei, wenn wir nicht mehr verhaftet sind mit den Dingen der äußeren Welt, wenn nicht mehr die Welt uns diktieren kann, wohin es für uns lang geht, sondern wir aus uns selbst heraus und aus unserem Selbst heraus unseren Kurs bestimmen können.

Materiell werden wir frei, wenn unser Eigentum nicht mehr dem Zugriff anderer geöffnet ist, weder direkt (Konfiszierung) noch indirekt (Inflationierung), und wenn wir unser Eigentum vollkommen frei fließen lassen können, wenn es von uns selbst jederzeit in die Richtung gelenkt werden kann, in der wir es einsetzen wollen.

Hierzu hat FOFOA mit nahezu begnadeter Pädagogik eine Menge hervorragender Aufsätze verfasst. Zu einigen habe ich in diesem Post verlinkt. Es gibt zu disen Themen viele Beiträge mehr von ihm. Googlen Sie einfach mal nach »fofoa+confiscation«, »fofoa+inflation« oder »fofoa+flow«.

Seit ich diese Aufsätze durcharbeite, weiß ich:

Materiell macht nichts einen Menschen so frei wie der Besitz physischen Goldes.

  • Es kann heute nicht mehr konfisziert werden.
  • Goldbesitz kann anonym bleiben. 
  • Mit etwas Silber lässt sich der Goldbesitz verschleiern. Wenn die Papierwährung kollabiert, lässt man das Gold liegen und bezahlt mit weniger wertvollen Silbermünzen: bis die Zeiten so sind, dass man Gold wieder in Umlauf bringen will. FOFOA berichtet an einer Stelle, dass er mit jeder Unze Gold, die er erwirbt, zusätzlich eine Unze Silber ersteht: geringe Mehrkosten, die eventuell aber hilfreich sein können, wenn das Gold zu wertvoll wird, als dass man es noch unter die Leute bringen will.
  • Ich kann es in alles und in alles jederzeit und in alles jederzeit überall wandeln. 

Von welchem Asset kann man das sonst noch sagen? Nehmen Sie noch einmal den Post vor, in dem ich Schritt für Schritt gezeigt hatte, wie potentiell werthaltige Gegenstände aus der Option herausfallen, langfristig – auch über Krisenzeiten hinweg! – Wertspeicher zu sein. Gold ist in diesem Sinn in der Tat allmächtig und insofern auch aus dieser Sicht ein Pendant zum Absoluten, aus dem heraus wir spirituell handeln.

Dieser Spannungsbogen »Selbst—Gold« treibt den Gegensatz von Innen und Außen auf die Spitze: Das Selbst ist höchster Repräsentant der geistigen Welt, Gold ist höchster Repräsentant der physischen Welt. Wir Menschen aber sind nicht aufgerufen, uns zwischen beiden Welten zu entscheiden, sondern beide Welten jeweils zu 100 Prozent zu integrieren. 200%!

Insofern wäre Verachtung des Materiellen falsch. Geld war für große Geister nie tabu, sondern wurde klug und mit weiser Voraussicht eingesetzt. Ghandis Nähmaschinen dienten auch der materiellen Selbstgenügsamkeit der Massen!

Wir sollten uns also für unsere Werte interessieren: Was ist ein Tauschmittel? Was ist Währung? Was ist Wertspeicher?

Gefährdet ist heute nicht das Geld an sich: Geld ist unschuldig und versieht mit den elektronischen Hilfsmitteln seinen Dienst besser als zu irgendeiner Zeit zuvor.

Gefährdet sind heute auch nicht notwendigerweise einzelne Währungen. Selbst der Dollar hat eine gute Chance, zu überleben: als Währung und als Tauschmittel.

Gefährdet ist heute vielmehr das, was gegenwärtig als Wertspeicher eingesetzt wird: Geld, solange es als Wertspeicher missbraucht wird, Derivate, die als Wertspeicher missbraucht werden, Schuldverschreibungen, die als Wertspeichern eingesetzt werden. Diese ganzen Papierwerte werden »brennen« und ihre Funktion, nachhaltiger Wertspeicher zu sein, verlieren. Wenn sich die Asche dann senkt, wird sich zeigen, was seit eh und je echter Wertspeicher ist: das Kerbholz, das nicht verrottet, die Muschel, die nicht beliebig nachgesammelt werden kann, die Münze, die nicht beliebig vermehrt werden kann.

Gold ist in der Tat nur ein Metall – zudem von nur geringfügigem industriellen Wert. Genau das aber macht Gold zu einem idealen Wertspeicher: Der Mensch ist vor Jahrtausenden zu der Übereinkunft gelangt, dass nützliche Gegenstände – Getreide, Kühe, Häuser, Land –  zurückgetauscht werden können in dieses Werte aufnehmende und Werte reflektierende  Metall, und dass dieses mit Wert aufgeladene Metall jederzeit zurückgetauscht werden kann in nützliche Gegenstände.

Auf Gold hatte man sich vor Jahrtausenden geeinigt, weil man wusste: Dieser Gegenstand ist so unnachahmlich wie das Kerbholz, aber unendlich beständiger als die Muschel, die in manchen Gegenden Tauschmittel gewesen war.

Dass man Gold so wenig sieht, liegt daran, dass die großen Vermögen es traditionellerweise verstecken und aufbewahren als Sicherheit für die Ewigkeit. Wirklich große Dynastien – Rothschild, Rockefeller, Vatikan – horten das Gold seit Jahrhunderten und geben nur dann davon etwas in den Umlauf zurück, wenn die Barmittel, die durch Geschäfte getätigt werden, knapp werden.

Und es liegt daran, dass auf der anderen Seite die Sparer zu gierig sind: Statt sicher zu sparen, wollen sie sparen und verdienen. Und fallen auf die vielen Versprechungen herein, Geld »arbeiten zu lassen«. Das kann gut gehen, über lange Zeit, und kann auch der Inflation Paroli bieten. Es kann aber auch schief gehen: in Zeiten der Unüberschaubarkeit allemal.

Aber auch der kleine Mann wird wieder lernen, wirklich zu sparen: und sein Wertvolles so zur Seite legen, dass er es ruhen lassen kann – und er selbst beruhigt bleiben kann. Bis er es eines Tages wieder »versilbert«, falls seine Barmittel nicht ausreichend sind.

Und wer bei den Namen Rothschild, Rockefeller und Vatikan zurückzuckt: Es ist nicht das Gold, das diese Mächte pervertiert hat. Es ist der diesen Instanzen innewohnende Charakter – Gier, Inhumanität, Lüge –, die diese Institutionen pervertiert. Deshalb gehen sie mit ihrem Gold so um, wie sie es tun – und würden mit jedem anderen Wertspeicher nicht anders umgehen.

Umgekehrt: Wenn sich der Sinn solcher Institutionen eines Tages wandelt, wenn sie wieder zu menschlichen Instanzen werden, die dieser Welt nützlich sind, dann werden sie ihr Gold auch zugunsten der Welt einsetzen. Und dann werden alle Gutwilligen, die nicht über solch gigantische Vermögen verfügen, glücklich sein: dass diese Werte bewahrt worden sind.

Dienstag, 19. März 2013

Die Gefährlichkeit der Wachsamkeit

In einem beherzten Artikel bezichtigt sich Dr. Dietmar Siebholz der Dummheit: Zu lang habe er nur geschrieben, statt die Ratschläge, die er zu geben hat, für sich selbst in die Tat umzuwandeln.

Nun, die »Dummheit« war sicher augenzwinkernd gemeint. Ich glaube nicht, dass solch ein Urteil auch nur im Entferntesten angemessen wäre. Und doch war ich mit einem Punkt ganz und gar nicht zufrieden.

Ich hatte eine freie Minute und wollte ihm schreiben: dachte aber dann, dass meine Überlegungen auch für potentielle Leser interessant sein könnten. Deshalb schreibe ich ihm hier:

Sehr geehrter Herr Dr. Siebholz!

Ich stimme Ihrem Artikel an vielen Stellen zu. [Man merkt, ich bin bei Frau Merkel in die Schule gegangen ;) Immer schön diplomatisch bleiben!]

Aber: Mit Ihrem Schlusswort – »In diesem Sinne: Bleiben Sie wachsam…« – bin ich nicht einverstanden. Diesem Rat zu folgen wäre IMHO nun tatsächlich eine Dummheit ;)

Sie werden zurückfragen: »Was ist daran falsch, wachsam zu sein?«
Meine Antwort: alles.
Ich möchte das kurz begründen.

»Wachsamkeit« heißt untätig sein. »Wachsamkeit« bedeutet, in Warteposition zu bleiben statt sofort zu handeln, die Szenerie zu beobachten statt Entscheidungen zu treffren, auf ungewöhnliche Rauchzeichen zu achten statt zu akzeptieren, was im Großen und Ganzen längst die Spatzen von den Dächern pfeifen: Die Zeit zu handeln ist jetzt.


Im Fall unseres Finanzsystem halte ich Wachsamkeitsratschläge deshalb für höchst gefährlich.

Zwei Szenarios sollen das verdeutlichen.

(1)
Der Anleger ist in Gold-Futures investiert. Über Nacht entziehen ein oder mehrere big player diesen Derivate-Werte ihre Unterstützung. (Das kann tausenderlei Gründe haben.) Ihr Leser – wachsam! – wacht am nächsten Morgen auf, sieht den drastisch gesunkenen GLD-Preis und will nun fix aussteigen und in physisches Gold investieren. Wie lange, glauben Sie, wird es dauern, bis die Goldbanken sagen müssen »sold out«? Wochen? Tage? Es werden Stunden sein. Ein paar wenige Glückliche können noch zuschlagen. Der überwältigende Rest der Interessenten aber wird in die Röhre schauen und weinen.

(2)
Der Anleger ist in allerlei Papier investiert: Aktien, Lebensversicherungen, Riesterprodukte, Sparbücher, sonstige Geldkonten. Und er denkt: »Wenn’s brenzlig wird, steige ich da aus und transferiere mein kleines [oder größeres] Vermögen dann doch mal ganz ins Gold, in echte Münzen und Barren. Wenigstens für kurze Zeit, bis sich der Sturm wieder gelegt hat!«
Wie lange, glauben Sie, wird es dauern, bis die Münzhändler – online wie offline – ihm werden sagen müssen »sold out«? Wochen? Tage? Es werden Stunden sein. 


Abgesehen davon, dass die Auflösung von Papieren nicht ganz so fix geht, wie man das oft meint. Barabhebungen größeren Umfangs müssen mindestens 24 Stunden vorher avisiert werden. Dito Sparbücher, die oft sogar einer wochen- oder gar monatelangen Kündigungsfrist unterliegen. Erst Recht Versicherungen und Riesterprodukte. 

Und dann die Anleihen! Bundesanleihen, die ich aufzulösen hatte, waren an die Klausel gebunden, dass pro Monat (!) nur jeweils 15.000 (fünfzehntausend) Euro ausbezahlt werden können, pro Person! Hat jeder Anleger so viele Vertrauenspersonen, denen er entsprechende Anteile schnell übertrragen kann, damit diese für ihn kündigen? Vielleicht wollen diese Menschen ihr eigenes Limit selber nutzen?

Schon unter diesen wenigen Spots auf die gegenwärtige Lage folgt:

Wer zu dem Schluss gekommen ist, dass das Finanzsystem ernsthaft wackelt – und zu diesem Schluss kann in Europa eigentlich nun jeder gekommen sein, seit 2008 –, sollte nicht länger »wachsam« sein, sondern sofort handeln. Alle Kündigungen in die Wege leiten. Den ganzen Papierkram in Angriff nehmen. Und jeden freigesetzten Euro ohne Verzug in physisches Gold wandeln: umstellt mit etwas Silber, um das Gold zu schützen. (Warum nicht 1:1, bezogen aufs Gewicht? Für eine Unze Gold eine Unze Silber.)

Denn wenn erst enmal alle auf den Trichter kommen, wird das Gold schneller vom Markt verschwunden sein, als wir den Bestellbutton drücken können. Oder sein Preis wird astronomisch sein – was wir lieber antizipativ mitnehmen. Statt schon vorher ein Opfer zu werden.



Das dies keine Finanzberatung ist, versteht sich von selbst. Meine Weltsicht! Mehr nicht.


Mit freundlichen Grüßen
ein anderer

Montag, 18. März 2013

Was ist ein Wertbesitz?



Was ist ein Wertbesitz?

Diese Frage musste mein Freund umgetrieben haben, als er mich kürzlich fragte, ob er einen teuren Newsletter abonnieren soll, der ihm erklärt, wie er sein Vermögen bewahren und ggf. vermehren kann.

Aha, dachte ich: Der schlaue Mann möchte aus Zahlen noch größere Zahlen machen. Mit Hilfe von Aktien, Anleihen, Schuldverschreibungen. Mit diesen Papieren kann man in der Tat gut handeln, und wenn man geschickt ist, erhält man am Ende mehr, als man vorher eingesetzt hatte. Mehr Zahlen auf dem Papier.

Was ich davon halte, fragte er mich.

Hier meine Antwort:

Lieber XY.

Ich habe inzwischen all diese Dienste abbestellt.

Für mich habe ich – Dank der gewissenhaften Unterrichtung durch FOFOAs Blog – erkannt, dass Vermögen, das man bewahren will, nie Tauschmittel sein darf, mit dem man handeln, sprich: weiteres Geld verdienen will. Denn Handel und Verdienst bedingen das Risiko. Vermögen und Risiko aber schließen sich aus.

Als Vermögen betrachte ich das Geld, das mir zur freien Verfügung steht (Gesamtvermögen minus Barmittel für den täglichen Bedarf).

Dieses Vermögen gilt es vielmehr gegenüber Fährnissen abzusichern: Ich möchte es behalten, um es eines Tages für gute Dinge einsetzen zu können. Und sei es »nur«, um meinen Kindern und Enkeln damit eine Frreude zu machen.

Daraus folgt, dass ich dieses Vermögen niemandem anvertrauen darf, dessen Prinzipien und Fertigkeiten für mich nicht transparent und vertrauenswürdig sind. Das aber trifft für keine Bank, kein Fonds, kein Unternehmen zu. Nimm als Beispiel die XY-Bank. Weiß ich wirklich, was dort mit meinem (!) an sie ausgeliehenen (!) Geld passiert, wenn sie es in meinem Sinn – Erhalt, evtl. Mehrung des Vermögens – investieren? Ich könnte nur hoffen und vertrauen.

Gewiss, man winkt mit »Zinsen« und »Rendite«. Aber was sind das für Beträge! Ich übertrage jemandem mein Haus, und als Gegenleistung baut er mir Jahr für Jahr eine kleine, hölzerne Hundehütte. Oder bringt auf seine Kosten einen neuen, schicken Briefkasten an, ein neues Klingelschild.

Und außerdem: Zinsen und Rendite sind nichts anderes als die Gegenleistung für das Risiko, dem mein Vermögen nun ausgesetzt ist. Wir hatten soeben aber festgestellt, dass ich genau das nicht wollen darf: Risiko für das, was ich behalten will.

Also gehe ich auf die Suche nach einem Wertespeicher, der folgende Kriterien erfüllt. Und Du wirst sehen: Während ich Kriterium für Kriterium scharf schalte, verringern sich meine Optionen Schritt für Schritt. Fangen wir an:

Der Wertspeicher wird seit langem auch von anderen Menschen dauerhaft (!) als Wertspeicher akzeptiert. Was nützt mir Wertvolles, über das meine Mitwelt nur die Nase rümpft? Diese Wertspeicher fallen mir ein: 


  • GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, LAND, IMMOBILIE, AKTIEN. (Das gilt aber keinesfalls für Geldscheine! Geldscheine sind nur kurzfristig Wertspeicher, nie werthaltig auf lange Sicht. Wir erinnern noch die Zeiten, als man die Geldscheine auf Schubkarren auf den Wochenmarkt fuhr – und das Restgeld wurde, weil das Zurückschlepen sich nicht lohnte, aufgekehrt zu preiswertem Brennmaterial?)
  • Der Wert befindet sich in meinen Händen, direkt und physisch. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Aktien sind nur verbriefte Werte, nie der Wert an sich! Mit dem Kauf einer Aktie habe ich ihren gegenwärtigen Wert komplett aus der Hand gegeben. Ob ich in zehn oder zwanzig Jahren noch einen entsprechenden Gegenwert zurückerhalte, steht in den Sternen.
  • Der Wert kann feinunterteilt werden. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Eine Wohnung, die beispielsweise 100.000 Euro wert ist, kann ich nicht in 20 kleine Parzellen aufteilen, wenn ich mal 5.000 Euro aus dem Vermögen herausziehen muss. Wer kauft mir das WC ab?
  • Der Wert ist transportabel. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Ich möchte mich ohne unüberwindbare Logistik-Probleme mit meinem Vermögen von A nach B bewegen können.
  • Ich habe Platz für Lagerhaltung. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN.
  • Es ist weitgehend unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, Witterung, Lagerbedingungen, Feuer. Das gilt für GOLD, SILBER, DIAMANTEN, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Kunst brennt leider, es sei denn, sie ist aus Beton oder Stahl.
  • Der Wert kann leicht, ohne Spezialexpertise, ermittelt und getauscht werden, ist also wenigstens zeitweise (Silber) anerkanntes »Geld«. Das gilt für GOLD, SILBER, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Münzhändler gibt es an jedem größeren Ort, und die seriösen unter ihnen können mit schnellen, einfachen Methoden den Wert einer Münze feststellen.
  • Der Wertgegenstand besitzt im Verhältnis zum Wert nur geringes Gewicht und Volumen. Das gilt für GOLD, SILBER, EDELSTEINE, KUNST, ANTIQUITÄTEN, GRUND UND BODEN, IMMOBILIEN, AKTIEN. Wenn 100.000 EUR in Silber rund 130 kg wiegen und ein Volumen von mindestens zwei großen Rucksäcken füllen, wiegen 100.000 EUR in Gold nur zweieinhalb Kilo, mit einem Volumen kaum größer als ein Pfund Butter.

An diesen Einsichten ändert sich für mich nichts mehr. Deshalb benötige ich keine weitere Expertise.

Der Newsletter XY möchte Dir zeigen, wie Du Dein Vermögen »arbeiten« lassen kannst. Dazu musst Du es zuerst hergeben. Dir bleibt anschließend nur die Hoffnung, es eines Tages wiederzusehen. Eine Garantie gibt es bei diesen Spielen nie.

Und dann noch ein Weiteres:

Nimm 100.000 Euro. Ein Versprechen auf Vermögen. Versprochene Kaufkraft. Potentieller Besitz. Dafür kaufst Du Aktien.

In zehn oder zwanzig Jahren will ich dieses Versprechen in echte Kaufkraft umwandeln. Zwischen Kauf und Rückhabe der Papiere steht die Zeit. Ist das noch dieselbe Kaufkraft wie heute? Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht! Das Versprechen auf Kaufkraft schrumpft mit der Zeit. Wenn ich Pech habe, sogar dramatisch (Hyperinflation, Währungsrreform).

Du magst entgegenhalten: Dafür erhalte ich Dividende. Richtig. Aber dann musst Du auch sicher sein, dass Rendite und Zinsen mindestens Schritt halten mit der Inflation. Wer oder was gibt Dir diese Sicherheit? Deine Hoffnung. Mehr nicht.

Der eine oder andere Euro, der uns als Gewinn versprochen wird, mag also verlockend sein. Der Preis für diesen Gewinn aber ist das Risiko, das Vermögen ganz oder in Teilen zu verlieren. Das aber widerspricht dem Anspruch, Vermögen zu allererst zu schützen.

Du siehst: Man muss sich entscheiden: Will man sein Vermögen »arbeiten« lassen (hergeben) oder schützen (behalten)?

Wenn Du es schützen willst, arbeite die Liste oben ab.

Dann weißt Du auch, was Du besitzt, wenn auch bei uns einmal Zahltag ist. 


Und dann wissen auch Sie, was Sie besitzen, wenn einmal Zahltag ist.

Mit freundlichen Grüßen
ein anderer