Montag, 15. Oktober 2012

Skylla und Charybdis

© Sharen Linder via Barenforum.org, »Skylla and Charybdis« (Holzschnitt)

Natürlich kommt der Crash. Die Frage ist nur: wie. Wie groß wird die Zahl der Opfer sein? Kommt er halbwegs weich, sozusagen mit quietschenden Reifen? Oder mit einem fürchterlich lauten Knall, weil einiges – und bei weitem meine ich damit nicht nur das Geldsystem – auf eine längst sichtbare Mauer draufknallt?
Weil der vorangehende Post auf Peter Schiff verwies und ich soeben wieder auf einen seiner jüngeren Beiträge stieß, bleibe ich noch etwas beim Thema »Geld«: mit einem Zitat Peter Schiffs, aus besagtem Beitrag. Es lautet:
»Bernanke [Präsident der US-amerikanischen Notenbank, Federeal Reserve, »Fed«] und seine Unterstützer in der Wall Street sehen billiges Geld am Horizont – doch dieser Horizont ist in Wirklichkeit eine angemalte Mauer. Wir haben es hier also nicht mit ›Q-Ewigkeit‹ zu tun, sondern mit quantitativen Lockerungsmaßnahmen, die nur solange anhalten werden, bis die Fed begreift, dass es eine Mauer ist und auf die Bremsen steigt … oder es lässt und in die Mauer hineinrast.«
Wir bewegen uns also »zwischen Skylla und Charybdis«. Beides sind Ungeheuer in der Meerenge von Messina, die den Absatz vom italienischen Festlandstiefel trennt.
Skylla: Oberkörper einer jungen Frau mit sechs Hunden als Unterleib. Gefräßig, tödlich, lebt im Meer.
Charybdis: gestaltlos, lebt ebenfalls im Meer, saugt es immer wieder ein und spuckt es aus, mitsamt allem, was sich in ihm bewegt.
Verständlich, dass die Seefahrer eine größere Furcht vor dem gestaltlosen Ungeheuer Charybdis haben: Komplett eingesaugt und tot ausgespuckt zu werden ist eine fürchterliche Vision. Also versuchen sie, diesem Tod zu entgehen – geraten dabei aber allzu leicht in die Fänge von Skylla, Charybdis’ Nachbarin: die ganz klassisch jeden frisst, der in ihre Fangarme gerät.
Kein schlechtes Bild für die Lage, in der sich die Akteure auf dem Spielfeld von Geld und Finanzen heute befinden.
Peter Schiffs Schiff möchte zwischen beiden Übeln hindurchlotsen: ein Königsweg. Geregelter Staatsbankrott. Vorbei an der Hyperinflation Charybdis, die durch das lockere Geld der Notenbanken von New York, London und Frankfurt (EZB) provoziert werden könnte, und vorbei an Skyllas Depression 2.0, die möglicherweise mit ein paar Happen zu besänftigen wäre.
Vielleicht haben wir ja noch etwas Fastfood an Bord, das wir Skylla in den nimmersatten Rachen werfen können: Wie wär’s zum Beispiel mit eigenen Staatsanleihen, die die Notenbanken zurückzukaufen hätten zum Bruchteil ihres Ausgabewertes? Das wäre notwendigerweise ein Bestandteil des geregelten Staatsbankrotts im Sinne von Peter Schiff …

Was bei diesen Überlegungen aber wieder ins Auge springt, ist der simple Umstand, dass solch eine Lösung, wenn sie denn eine ist, nicht nur gewollt werden muss, sondern auch durchgesetzt werden muss. Gegen den Widerstand der Uneinsichtigen. Und wenn das nicht möglich oder wünschenswert ist, braucht es die Unterstützung aller.
Aber wie? Das wird das beherrschende Thema dieses Blogs werden.

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