Freitag, 12. Oktober 2012

Die Maus und der Elefant

Peter Schiff hat es geschafft: Er hat Eingang gefunden in die deutsche Wikipedia. Und ja: Auch seine herausragende Leistung, die Finanzkrise frühzeitig prognostiziert zu haben, wird lobend (und richtig) erwähnt.
Ich schätze Peter Schiff. Er spricht eine klare Sprache. Sein Fachwissen ist fundiert. Seine Recherchen sind gründlich. Seine Schlussfolgerungen sind mutig. Und er ist offensichtlich unbestochen. Solche Menschen brauchen wir.
Nur einen Nachteil hat Peter Schiff: Er ist Amerikaner, US-Amerikaner genauer gesagt, und deshalb werden seine Bücher in der Sprache seiner Heimat verlegt. Von einer Übersetzung ins Deutsche weit und breit keine Spur. Na, die Buchmesse ist ja noch nicht vorbei.
Sein jüngstes Buch hat es mir angetan: Peter Schiff, The Real Crash: America's Coming Bankruptcy – How to Save Yourself and Your Country. Es ist vielleicht nicht das einzige Buch, das eine derart deutliche Sprache spricht. Aber es ist das einzige dieser Art, das mir bislang untergekommen ist. Schiffs Diagnose ist nicht spektakulär, sie ist wohlfeil: Die U.S.A. sind insolvent. Sie finanzieren sich nur noch über ein gigantisches Schneeballsystem. Jedes Kind weiß das.
Doch die Therapie hat es in sich: Er empfiehlt seinen Landsleuten ein »Tal der Tränen«. Heißt: Der Staat muss den Bankrott erklären, muss die daraus folgende Depression akzeptieren, kann sich dann aber durch echte Leistung und echte Produktivität wieder schnell erholen. Kurz und schmerzhaft, aber ehrlich und mit Aussicht auf baldigen Erfolg. Eine Therapie eben.
Was in Washington hingegen geschieht, ist Verschleppung: Weiter wie bisher, lasst die Schäden dramatisch sein – Vernichtung des Mittelstands ist noch eine der zurückhaltenderen Prognosen.
Ein Bild, das Peter Schiff gern benutzt, blieb haften: Die Europäer, schreibt er, sind momentan damit beschäftigt, die Euro-Maus zu jagen, die sie mehr oder weniger freiwillig ins Wohnzimmer haben schlüpfen lassen. Bei all dem Eifer übersehen sie, dass inzwischen draußen vor der Tür sich ein ausgewachsener Elefant aufgebaut hat und im Begriff steht, ins Haus zu treten: in wahrem Wortsinn. Die Schuldenkrise der U.S.A. Die Maus und der Elefant. Kein Märchen. Sondern bedrohliche Realität.
»Wir sind Zeugen der amerikanischen Weimar-Ära – und zwar ihrer finalen Phase«, schreibt deshalb auch Jim Willie* dieser Tage in einem zweiteiligen Essay auf goldseiten.de: »Todesglocken für den US-Dollar.« Sie läuten schon. Für einen Trauerzug wird uns kaum Zeit bleiben.

*»Jim Willie C.B. ist Statistiker in Marktforschung und Handelsprognose. Er ist Doktor der Statistik und arbeitet seit 24 Jahren in diesem Bereich. Er wünscht sich, in der Welt der Finanzredakteure Fuß zu fassen, unbelastet von den einschränkenden Zugangsvoraussetzungen. Schauen Sie auf seine kostenlose Webseite, wo Sie Artikel von hochkarätigen Autoren lesen können. Für weitere Fragen kontaktieren Sie bitte JimWillie per Mail
Weiter Fuß zu fassen, dass wünsche ich ihm auch.

Nachtrag: 
Schon am 3. September 2012 hatte der texanische Kongressabgeordnete Ron Paul auf goldseek.com einen Post veröffentlicht zu der Frage, wie lange noch der Dollar »Weltreservewährung« bleiben könne. Eine deutsche Übersetzung erschien auf Propagandafront.de. Ron Pauls Fazit, Zitat:
»Die ausländischen Zentralbanken haben bereits begriffen, dass die politischen Führer Amerikas nicht über die notwendige Disziplin verfügen, um eine stabile Währung zu gewährleisten.
Wenn wir jetzt handeln und das Fiatgeldsystem durch einen stabilen, edelmetall- oder rohstoffgedeckten US-Dollar ersetzen, kann der Dollar seinen Status als sicherster Wertspeicher unter allen Staatswährungen wiedererlangen. Sollten wir uns dagegen entscheiden, wird der Rest der Welt den US-Dollar als Weltreservewährung aufgeben.
Der US-Kongress und die amerikanischen Verbraucher werden dann auf einmal feststellen, dass die Kosten für die Kreditaufnahme dramatisch steigen. In diesem Zusammenhang darf auch nicht vergessen werden, dass die gesamte US-Wirtschaft auf Konsum und der Bereitschaft der Ausländer, US-Schulden zu halten, basiert.
Wenn die US-Regierung nicht mehr länger in der Lage ist, in solch einer Rate Geld zu drucken, Kredite aufzunehmen und Geld auszugeben, dass sie damit ihren endlosen Hunger nach defizitären Ausgaben befriedigen kann, werden wir es mit einer Neuordnung der gesamten Weltwirtschaft zu tun bekommen
Zitatende.
Es gibt unzählige weitere Quellen, die letzte Zweifel, dass es mit dem globalen Finanzsystem inzwischen Spitz auf Knopf steht, ausräumen können. Ich freue mich immer, wenn es jemandem gelingt, seine Thesen knapp zu bündeln. Ron Paul ist einer von ihnen. 

Nachtrag 2 (20. Oktober 2012):
Ich entdeckte heute einen Post von FOFOA vom 19. Februar 2011, in dem Bezug genommen wird auf Peter Schiff. (FOFOA bekräftigt dort übrigens, Anfang 2008 weder von ANOTHER noch von FOA gehört zu haben …) Ich hatte noch nicht die Zeit, diesen Post komplett zu lesen – er ist, wie meistens, sehr lang. Er enthält jedenfalls präzise Prognosen, an denen die Korrektheit des Freegold-Konzepts (oder die Korrektheit von FOFOAs Blickwinkel; ob beides identisch ist, kann ich noch nicht beurteilen) gemessen werden kann.

Nachtrag 3 (20. Oktober 2012):
Und nun finde ich auch, wonach ich lange gesucht hatte (aber ich gebe zu, ich hatte noch nicht Post für Post FOFOAs Blog durchgeschaut; es ist eine Menge Text!): eine Zusammenfassung und definitorische Eingrenzung dessen, was Freegold – wenigstens aus FOFOAs Sicht – ist oder sein oder werden könnte. Lesenswert.
Und bei dieser Gelegenheit noch einmal der Hinweis: Dieses mein Blog wird kein weiteres Freegold-Blog werden. Ich erwähnte FOFOA bisher nur aus zwei vier Gründen:
(1) Ich schätze seine, wie soll ich sagen, humanistische?, jedenfalls unglaublich freundliche, einfühlsame Schreibe. Seine Freiheit gegenüber allen gedachten und tatsächlichen Normen, wie ein Blog zu schreiben sei (man denke nur an die ausufernden Längen der Posts, und den Lesern gefällt’s!). Und die Tiefe und Präzision seiner Gedanken (ich vermute, dass er einen Lehrstuhl innehat wenigstens in einem sehr »nahen« Themenbereich, z.B. Philosophie oder Theologie, oder Ethnologie?). Es ist ein Kleinkinderwunsch, aber ich möchte so schreiben (können) wie er: einfach, weil das eine Schreibe ist, ie auch mich ansprechen würde. Und was für einen Sinn hätte es, auf eine Weise zu schreiben, die man selbst nicht mag?
(2) Ich schätze seinen Versuch, etwas sehr Grundlegendes der Welt mitzuteilen, etwas, wovon die meisten seiner Leser zuvor nie etwas gehört haben, außer, dass sie wissen, was Gold ist und wie es aussieht und was es kostet (nicht: was es wert ist, denn das wäre dann schon wieder die Freegold-Story). Ich habe ebenfalls etwas Grundlegendes mitzuteilen: und es ist ebenfalls kaum jemandem bekannt oder bewusst, auch wenn es – ähnlich der Vorgeschichte von FOFOA – einige Menschen gibt, denen ich am Ende absolut nichts Neues sagen würde, kämen sie auf diesem Blog zu Besuch. Ich sagte mir: Wenn FOFOA solch eine Aufgabe schafft (und selbst seine Kritiker geben meistens zu: er bewältigt sie mit Bravour), sollte auch ich das schaffen.
(3) Es gibt eine außerordentlich faszinierende, geheimnisvolle Verbindung zwischen »meinem« Thema einerseits und dem Gold-Thema im Allgemeinen und dem Freegold-Thema im Besonderen auf der anderen Seite. Jemand, der sich »meines« Themas (nicht als Blogger, sondern als Buchautor) intensiv angenommen hat, wurde eines Tages dafür geehrt: Man wog ihn mit Gold auf. Warum mit Gold? Warum erhielt er nicht einfach irgendwelche Privilegien? Warum nicht einfach nur einen Titel? Ich weiß, dass ihn schon das vollkommen zufriedengestellt hätte. Ich weiß, dass er nicht einmal IRGENDeine Ehrung erwartet hatte. Aber er wurde in Gold aufgewogen.
Abgesehen von dem Spektakulären dieses Aktes – nicht nur in der heutigen Zeit! – bleibt die Frage und wurde nie aufgeworfen und ist ungeklärt: Warum in Gold. Denn was den Beobachtern dieser Szene bis heute nicht bewusst zu sein scheint (ich habe jedenfalls noch keine entsprechende Wortmeldung finden können, nirgendwo): Auf diesem Weg wurde nicht nur der in Gold aufgewogene Mensch geehrt – sondern, auch umgekehrt: Auch das Gold wurde geehrt! Wenn ich einen Menschen, der mir teuer ist, mit etwas aufwiege, gebe ich nicht nur kund, dass mir dieser Mensch etwas bedeutet, sondern auch, was er mir bedeutet! 
Wenn der Abwägende gleichzeitig sagt, dass der Aufgewogene der Größte seines Fachgebietes ist, dann mache ich eine Gleichung auf: Höchstes = Inhalt der anderen Waagschale.
Was das in jenem Zusammenhang, auf den ich auf jeden Fall noch zurückkommen muss, bedeutet, ist mir bis heute schleierhaft. Denn hier wurden zwei Konzepte gegenübergestellt und gleichgestellt (die Waage …): Einmal ein geistiges Konzept, dessentwegen die Ehrung stattfand (ein Buch, eine Forschung), und auf der anderen Seite ein materielles Konzept, mit dem geehrt worden war (Gold). Was bedeutet das? Will der Ehrende damit sagen, dass für ihn Gold die wertvollste Substanz ist, die auf diesem Planeten gefunden werden kann? Was hieße hier überhaupt »wertvoll«? 
Ich bin gespannt, ob all das am Ende irgendjemanden interessiert. Und das war der letzte Grund, mich in der Vorgehensweise an FOFOA anzulehnen, ich erwähnte es ja im Willkommen-Post schon:
(4) Anonymität. Denn gesetzt den Fall, kaum jemand liest hier mit, auch auf Dauer nicht: dann wird das Blog vielleicht nicht sang-, aber eben klanglos wieder zurücktauchen in die Weiten des Internet, mit ein paar Spuren vielleicht in den Webarchiven … Und es gibt dann kein »ich«, das dumm dasteht. (Außer, dass ich selbst und einige sehr wenige Leser ein Scheitern spüren, aber wie heißt es so schön: [Nur] Wer wagt, gewinnt!)

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