Freitag, 12. Oktober 2012

Willkommen

Dachkonstruktion eines Bahnhofs, Gleise überbrückend
»Everyone knows where we have been. Let's see where we are going!«

Unter diesem Motto startete Another am 5. Oktober 1997 eine faszinierende Serie von Blogposts auf USAgold.com, einer der führenden Gold-Seiten dieser Welt. Anothers Gedanken wurden  heiß diskutiert und finden bis heute ein riesiges Publikum. Am 3. September 1998 erschien sein letzter Post. Ein zweiter anonymer Autor, Friend of Another (FOA), schaltete sich am 3. März 1998 dazu und blieb bis zum 16. Dezember 2001 online.
Am 23. August 2008 tauchte noch ein dritter im Bunde der Anonymen auf, er nannte sich konsequent Friend of Friend of Another (FOFOA), griff den seit sieben Jahren liegengebliebenen Faden wieder auf und pflegt ihn seither auf geradezu spektakuläre Weise.
Eine Arbeit, die ich außerordentlich schätze. Dieses Blog ist – wenn auch nicht inhaltlich, so doch konzeptionell – ein Tribut an alle drei. 
Um Geld und Gold geht es hier nur unter anderem. In Gedanken! geht es um das ganze Bild von Krise und Zukunft.
Die materiellen, sichtbaren Verwerfungen, deren Zeuge wir seit Jahren sind, sind Symptome tieferliegenderer, unsichtbarer Prozesse. Diese unsichtbaren Vorgänge sind die eigentlichen Antriebsmotoren von Krise und Wandlung.
Wenn ein Mensch davon nie erfährt, ist das tragisch. Stellen Sie sich vor, Sie sähen zum ersten Mal in Ihrem Leben ein Flugzeug und wüssten nicht, was es antreibt und in der Luft hält, würden nie erfahren, welches Geheimnis hinter diesem Luftobjekt steckt: Welch ein Verlust an Autonomie, Wahrnehmung, Klarheit, Wissen und an Verständnis der Welt!
Ebenso die moderne Krise. Wieviele Menschen verfolgen sie ungläubig, staunend, werden von ihr berührt und herausgefordert – und wissen doch nicht wirklich, was »die Krise« eigentlich antreibt und befeuert.
Facebook, YouTube, Twitter, Blogs sind natürlich ein großes Korrektiv. Hier sind die Autoren nicht abhängig von Verlegermeinungen, von wirtschaftlichen Kennzahlen, müssen nicht Rücksicht nehmen auf Anzeigenkunden, politische Seilschaften und festgefahrenen Sehweisen langjähriger Abonnenten.
Aber: Das Internet ist genausowenig in Stein gemeißelt wie die Autobahn oder die Mikrowelle, die Nation oder die Gentechnik. Wie lange wir uns via Internet austauschen werden, weiß kein Mensch. Und also sollten wir die Gelegenheit nutzen.
Diese für die meisten Menschen noch unsichtbaren Vorgänge, um die es in diesem Blog gehen wird, sind die eigentliche Story. Die Story hinter der Story. Das Drehbuch. Die Regieanweisung. Die eigentliche Komposition.
Was Otto Normalbürger in den Medien hört, sind nur Geräusche, Töne ohne Zusammenhang, Klänge ohne Struktur, Melodiefetzen ohne Sinn, Struktur und Ziel.
Dieses Blog möchte die Struktur aufzeigen, die Komposition, um die es in diesem Umbruch geht: Was stieß den Umbruch an? Was treibt ihn voran? Was ist sein Ziel?
Die Posts von Another und FOA und das Blog von FOFOA sind konzeptionelles Vorbild:
  • Die Anonymität kann dem Gesagten etwas Spannendes geben. Neu und unbekannt ist die Hintergrund-Story allemal, aber sie soll auch locken. Anonymität bietet dem Autoren aber auch den unschätzbaren Vorteil, seine Arbeit nicht dauerhaft mit dem eigenen Namen verbinden zu müssen. Was ist, wenn ich in zehn Jahren vieles noch einmal anders sehen möchte? Ich habe kein Interesse daran, dann auf Dinge, die ich längst überwunden habe, aus denen ich gedanklich herausgewachsen bin und die mir dann so fern liegen mögen wie eine abgelegte Haut, ständig weiter fixiert zu werden. 
  • Anonymität, wem sage ich das, hat den Vorteil, den Autoren zu schützen. Es wird einige Momente geben, in denen ich Interessen berühre, die man als Normalsterblicher tunlichst nicht berühren sollte: jedenfalls nicht dann, wenn das Geschriebene Kreise zieht (was ich mir natürlich wünsche; jeder Autor wünscht sich das).
  • Ich werde Insider-Informationen anbieten, Informationen, die der Mainstream ignoriert. Another war ebenfalls ein Insider: Ohne seine Tiefenkenntnisse des internationalen Spot-Marktes wären viele seiner Posts undenkbar gewesen. Ohne meine intime Kenntnis der »Antriebsmotoren von Krise und Wandlung« würden viele meiner Posts nicht geschrieben werden können.
  • Gespräch, Austausch, Kommentar sind das Herzstück von Gedanken!. Sie provozieren neue Posts, sie machen deutlich, wo Verständnislücken sind – und sie sind ein wunderbarer Weg, Menschen kennenzulernen.
  • Ich werde mir Zeit lassen. Zwar trödle ich nicht, das ganze Bild in den Blick zu rücken: Längst ist der Umbruch, um den es hier geht, in voller Fahrt. Aber ich brauche keine übertriebene Eile. Für die meisten Menschen – vielleicht auch für Sie? – sind die Gedanken, die hier entwickelt werden, neu, fremdartig, ungewohnt: eine Situation, in der es sich empfiehlt, den kleinen Schritt zu wählen. Sonst verliert man sein Auditorium schneller als man denken kann.
Dieser Blog möchte ein Scharnier werden zur alten Welt, aus der wir alle kommen und in der die meisten Besucher des Blogs noch verankert sind (wenn auch hie und da schon verunsichert, sonst würde dieser Blog nicht gelesen werden).
In der neuen Welt, an der anderen Seite des Scharniers, finde auch ich mich erst langsam zurecht: aber ich bin schon dort und sehe, wie die alte Welt stirbt.
Von dieser Aussicht möchte ich berichten – ähnlich wie ein weiterer hochgeschätzter Autor, der die Welt, nicht nur die europäische, zwar »vom Pazifik aus« betrachtet, aber dadurch ebenfalls eine erhebliche Distanz besitzt zum europäischen Tumult. (Wenn ich so schreiben könnte wie Markus Gärtner, bräuchte ich mir keine Sorgen machen, ob mein Blog gelesen wird. Ich werde mich also bemühen, so spritzig im Satzbau, so erfinderisch in der Wortwahl und so elegant in der Argumentationsführung zu werden wie er!)
Nur werde ich es vorerst nicht schaffen, so häufig zu posten wie Gärtner. Als ehrgeiziges Ziel habe ich mir den Wochenrhythmus vorgenommen. Sollte mehr Zeit zur Verfügung stehen und sollten mir die Beiträge leichter von der Hand gehen als ich das derjetzt noch befürchte, mag sich die Frequenz erhöhen. Nicht zuletzt wird das auch davon abhängen, welche Diskussionen sich ergeben! Die ich, soweit möglich ohne Zensur, aufmerksam verfolgen werde. (An die selbstverständliche Netiquette erinnere ich nur ein Mal, nämlich hier: Pöbelei, Menschenverachtung, Aufrufe zu Hass, Mord und Gewalt dulde ich nicht; sie werden kommentarlos gelöscht. Gleichgültig, aus welcher pseudo-politischen oder pseudo-religiösen oder pseudo-sonstwas-Ecke sie stammen oder zu stammen vorgeben. Ebenso gelöscht bzw. von Google gar nicht erst durchgelassen wird Spam. Ausufernde OTs lasse ich nur stehen, wenn ich, ähnlich wie das FOFOA hält, ab und an ein Forum eröffne: mit »freier Bahn«.)
Bevor ich vorläufig zum Schluss komme, muss ich noch beichten: Dieser erste Beitrag durchlief keine Konzeption. Ich formuliere ihn parallel zur Anpassung von Layout und Funktionalität dieses Google-Blogs (OT: dessen Bedienerführung mir, Joomla!-verwöhnt, reichlich gewöhnungsbedürftig scheint. Kann es sein, dass überall dort, wo riesige Konzerne am Werke sind, Produkte immer wieder dazu tendieren, hässlich zu werden, unbedienbar und leblos? Bestes Beispiel wäre ja Microsoft: dessen Software, Windows voran, den Nimbus einer technischen, kalten Ingenieurswelt wohl nie wird abstreifen können. Und wenn mich nicht alles täuscht, zeigen sich erste Anzeichen eines entsprechenden Niedergangs jetzt, wo der Visionär von Bord gegangen ist, auch beim tonangebenden OS-Produzenten Apple …)
Was noch? Wie schon erwähnt, ist das neue Format von Blogger noch neu für mich. Es ist zwar nicht das erste Google-Blog, das ich aufsetze, aber es ist das erste Mal, dass ich mit Googles »dynamischen Layouts«, mit Google+ und vielen anderen Optionen in Berührung komme, die Google ins seine Blog-Baukästen neu eingebaut hat.
Vieles vermisse ich noch: Wo kategorisiere ich meine Beiträge? Ich werde es finden. (Wobei ich noch nicht weiß, ob ich Kategorien überhaupt verwenden will. Ich stelle mir die Entwicklung dieses Blogs eher vor wie ein langes Gespräch: aus dem man auch nicht Bestandteile herauspicken und zu scheinbar eigenständigen Größen aufbauen kann. Alles geht auseinander hervor!)
Damit komme ich noch zu einem weiteren Merkmal »meines« Formats, und auch hier wieder stehen die genannten Vorbilder Another, FOA und FOFOA Pate: Ich werde mich ebenfalls nicht auf knackige Kürze beschränken. Mir kommt es darauf an, so zu schreiben, wie ich denke. Und wenn ein Gedankengang epische Länge erfordert, wird er sie bekommen. Genügt ein kurzer Satz, kommt auch er.
Und last but not least werde ich mich bei der Entwicklung meiner Gedanken! auch von der Tagesaktualität weder leiten lassen noch sie ignorieren. Es werden Beiträge kommen, die hart anschließen an das, was aktuell geschieht, und es wird solche geben, die ungerührt von allem Getriebe dort draußen sich die Freiheit nehmen, Grundsätzliches zu erörtern, ohne nach rechts und links zu schauen: stattdessen den Versuch unternehmen, in die Tiefe zu blicken (oder in die Höhe, je nachdem, wie man’s sehen will.)
Ich wünsche allen Besuchern eine zumindest anregende, im besten Fall gewinnbringende Lektüre.

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