Montag, 15. Oktober 2012

Skylla und Charybdis

© Sharen Linder via Barenforum.org, »Skylla and Charybdis« (Holzschnitt)

Natürlich kommt der Crash. Die Frage ist nur: wie. Wie groß wird die Zahl der Opfer sein? Kommt er halbwegs weich, sozusagen mit quietschenden Reifen? Oder mit einem fürchterlich lauten Knall, weil einiges – und bei weitem meine ich damit nicht nur das Geldsystem – auf eine längst sichtbare Mauer draufknallt?
Weil der vorangehende Post auf Peter Schiff verwies und ich soeben wieder auf einen seiner jüngeren Beiträge stieß, bleibe ich noch etwas beim Thema »Geld«: mit einem Zitat Peter Schiffs, aus besagtem Beitrag. Es lautet:
»Bernanke [Präsident der US-amerikanischen Notenbank, Federeal Reserve, »Fed«] und seine Unterstützer in der Wall Street sehen billiges Geld am Horizont – doch dieser Horizont ist in Wirklichkeit eine angemalte Mauer. Wir haben es hier also nicht mit ›Q-Ewigkeit‹ zu tun, sondern mit quantitativen Lockerungsmaßnahmen, die nur solange anhalten werden, bis die Fed begreift, dass es eine Mauer ist und auf die Bremsen steigt … oder es lässt und in die Mauer hineinrast.«
Wir bewegen uns also »zwischen Skylla und Charybdis«. Beides sind Ungeheuer in der Meerenge von Messina, die den Absatz vom italienischen Festlandstiefel trennt.
Skylla: Oberkörper einer jungen Frau mit sechs Hunden als Unterleib. Gefräßig, tödlich, lebt im Meer.
Charybdis: gestaltlos, lebt ebenfalls im Meer, saugt es immer wieder ein und spuckt es aus, mitsamt allem, was sich in ihm bewegt.
Verständlich, dass die Seefahrer eine größere Furcht vor dem gestaltlosen Ungeheuer Charybdis haben: Komplett eingesaugt und tot ausgespuckt zu werden ist eine fürchterliche Vision. Also versuchen sie, diesem Tod zu entgehen – geraten dabei aber allzu leicht in die Fänge von Skylla, Charybdis’ Nachbarin: die ganz klassisch jeden frisst, der in ihre Fangarme gerät.
Kein schlechtes Bild für die Lage, in der sich die Akteure auf dem Spielfeld von Geld und Finanzen heute befinden.
Peter Schiffs Schiff möchte zwischen beiden Übeln hindurchlotsen: ein Königsweg. Geregelter Staatsbankrott. Vorbei an der Hyperinflation Charybdis, die durch das lockere Geld der Notenbanken von New York, London und Frankfurt (EZB) provoziert werden könnte, und vorbei an Skyllas Depression 2.0, die möglicherweise mit ein paar Happen zu besänftigen wäre.
Vielleicht haben wir ja noch etwas Fastfood an Bord, das wir Skylla in den nimmersatten Rachen werfen können: Wie wär’s zum Beispiel mit eigenen Staatsanleihen, die die Notenbanken zurückzukaufen hätten zum Bruchteil ihres Ausgabewertes? Das wäre notwendigerweise ein Bestandteil des geregelten Staatsbankrotts im Sinne von Peter Schiff …

Was bei diesen Überlegungen aber wieder ins Auge springt, ist der simple Umstand, dass solch eine Lösung, wenn sie denn eine ist, nicht nur gewollt werden muss, sondern auch durchgesetzt werden muss. Gegen den Widerstand der Uneinsichtigen. Und wenn das nicht möglich oder wünschenswert ist, braucht es die Unterstützung aller.
Aber wie? Das wird das beherrschende Thema dieses Blogs werden.

Freitag, 12. Oktober 2012

Die Maus und der Elefant

Peter Schiff hat es geschafft: Er hat Eingang gefunden in die deutsche Wikipedia. Und ja: Auch seine herausragende Leistung, die Finanzkrise frühzeitig prognostiziert zu haben, wird lobend (und richtig) erwähnt.
Ich schätze Peter Schiff. Er spricht eine klare Sprache. Sein Fachwissen ist fundiert. Seine Recherchen sind gründlich. Seine Schlussfolgerungen sind mutig. Und er ist offensichtlich unbestochen. Solche Menschen brauchen wir.
Nur einen Nachteil hat Peter Schiff: Er ist Amerikaner, US-Amerikaner genauer gesagt, und deshalb werden seine Bücher in der Sprache seiner Heimat verlegt. Von einer Übersetzung ins Deutsche weit und breit keine Spur. Na, die Buchmesse ist ja noch nicht vorbei.
Sein jüngstes Buch hat es mir angetan: Peter Schiff, The Real Crash: America's Coming Bankruptcy – How to Save Yourself and Your Country. Es ist vielleicht nicht das einzige Buch, das eine derart deutliche Sprache spricht. Aber es ist das einzige dieser Art, das mir bislang untergekommen ist. Schiffs Diagnose ist nicht spektakulär, sie ist wohlfeil: Die U.S.A. sind insolvent. Sie finanzieren sich nur noch über ein gigantisches Schneeballsystem. Jedes Kind weiß das.
Doch die Therapie hat es in sich: Er empfiehlt seinen Landsleuten ein »Tal der Tränen«. Heißt: Der Staat muss den Bankrott erklären, muss die daraus folgende Depression akzeptieren, kann sich dann aber durch echte Leistung und echte Produktivität wieder schnell erholen. Kurz und schmerzhaft, aber ehrlich und mit Aussicht auf baldigen Erfolg. Eine Therapie eben.
Was in Washington hingegen geschieht, ist Verschleppung: Weiter wie bisher, lasst die Schäden dramatisch sein – Vernichtung des Mittelstands ist noch eine der zurückhaltenderen Prognosen.
Ein Bild, das Peter Schiff gern benutzt, blieb haften: Die Europäer, schreibt er, sind momentan damit beschäftigt, die Euro-Maus zu jagen, die sie mehr oder weniger freiwillig ins Wohnzimmer haben schlüpfen lassen. Bei all dem Eifer übersehen sie, dass inzwischen draußen vor der Tür sich ein ausgewachsener Elefant aufgebaut hat und im Begriff steht, ins Haus zu treten: in wahrem Wortsinn. Die Schuldenkrise der U.S.A. Die Maus und der Elefant. Kein Märchen. Sondern bedrohliche Realität.
»Wir sind Zeugen der amerikanischen Weimar-Ära – und zwar ihrer finalen Phase«, schreibt deshalb auch Jim Willie* dieser Tage in einem zweiteiligen Essay auf goldseiten.de: »Todesglocken für den US-Dollar.« Sie läuten schon. Für einen Trauerzug wird uns kaum Zeit bleiben.

*»Jim Willie C.B. ist Statistiker in Marktforschung und Handelsprognose. Er ist Doktor der Statistik und arbeitet seit 24 Jahren in diesem Bereich. Er wünscht sich, in der Welt der Finanzredakteure Fuß zu fassen, unbelastet von den einschränkenden Zugangsvoraussetzungen. Schauen Sie auf seine kostenlose Webseite, wo Sie Artikel von hochkarätigen Autoren lesen können. Für weitere Fragen kontaktieren Sie bitte JimWillie per Mail
Weiter Fuß zu fassen, dass wünsche ich ihm auch.

Nachtrag: 
Schon am 3. September 2012 hatte der texanische Kongressabgeordnete Ron Paul auf goldseek.com einen Post veröffentlicht zu der Frage, wie lange noch der Dollar »Weltreservewährung« bleiben könne. Eine deutsche Übersetzung erschien auf Propagandafront.de. Ron Pauls Fazit, Zitat:
»Die ausländischen Zentralbanken haben bereits begriffen, dass die politischen Führer Amerikas nicht über die notwendige Disziplin verfügen, um eine stabile Währung zu gewährleisten.
Wenn wir jetzt handeln und das Fiatgeldsystem durch einen stabilen, edelmetall- oder rohstoffgedeckten US-Dollar ersetzen, kann der Dollar seinen Status als sicherster Wertspeicher unter allen Staatswährungen wiedererlangen. Sollten wir uns dagegen entscheiden, wird der Rest der Welt den US-Dollar als Weltreservewährung aufgeben.
Der US-Kongress und die amerikanischen Verbraucher werden dann auf einmal feststellen, dass die Kosten für die Kreditaufnahme dramatisch steigen. In diesem Zusammenhang darf auch nicht vergessen werden, dass die gesamte US-Wirtschaft auf Konsum und der Bereitschaft der Ausländer, US-Schulden zu halten, basiert.
Wenn die US-Regierung nicht mehr länger in der Lage ist, in solch einer Rate Geld zu drucken, Kredite aufzunehmen und Geld auszugeben, dass sie damit ihren endlosen Hunger nach defizitären Ausgaben befriedigen kann, werden wir es mit einer Neuordnung der gesamten Weltwirtschaft zu tun bekommen
Zitatende.
Es gibt unzählige weitere Quellen, die letzte Zweifel, dass es mit dem globalen Finanzsystem inzwischen Spitz auf Knopf steht, ausräumen können. Ich freue mich immer, wenn es jemandem gelingt, seine Thesen knapp zu bündeln. Ron Paul ist einer von ihnen. 

Nachtrag 2 (20. Oktober 2012):
Ich entdeckte heute einen Post von FOFOA vom 19. Februar 2011, in dem Bezug genommen wird auf Peter Schiff. (FOFOA bekräftigt dort übrigens, Anfang 2008 weder von ANOTHER noch von FOA gehört zu haben …) Ich hatte noch nicht die Zeit, diesen Post komplett zu lesen – er ist, wie meistens, sehr lang. Er enthält jedenfalls präzise Prognosen, an denen die Korrektheit des Freegold-Konzepts (oder die Korrektheit von FOFOAs Blickwinkel; ob beides identisch ist, kann ich noch nicht beurteilen) gemessen werden kann.

Nachtrag 3 (20. Oktober 2012):
Und nun finde ich auch, wonach ich lange gesucht hatte (aber ich gebe zu, ich hatte noch nicht Post für Post FOFOAs Blog durchgeschaut; es ist eine Menge Text!): eine Zusammenfassung und definitorische Eingrenzung dessen, was Freegold – wenigstens aus FOFOAs Sicht – ist oder sein oder werden könnte. Lesenswert.
Und bei dieser Gelegenheit noch einmal der Hinweis: Dieses mein Blog wird kein weiteres Freegold-Blog werden. Ich erwähnte FOFOA bisher nur aus zwei vier Gründen:
(1) Ich schätze seine, wie soll ich sagen, humanistische?, jedenfalls unglaublich freundliche, einfühlsame Schreibe. Seine Freiheit gegenüber allen gedachten und tatsächlichen Normen, wie ein Blog zu schreiben sei (man denke nur an die ausufernden Längen der Posts, und den Lesern gefällt’s!). Und die Tiefe und Präzision seiner Gedanken (ich vermute, dass er einen Lehrstuhl innehat wenigstens in einem sehr »nahen« Themenbereich, z.B. Philosophie oder Theologie, oder Ethnologie?). Es ist ein Kleinkinderwunsch, aber ich möchte so schreiben (können) wie er: einfach, weil das eine Schreibe ist, ie auch mich ansprechen würde. Und was für einen Sinn hätte es, auf eine Weise zu schreiben, die man selbst nicht mag?
(2) Ich schätze seinen Versuch, etwas sehr Grundlegendes der Welt mitzuteilen, etwas, wovon die meisten seiner Leser zuvor nie etwas gehört haben, außer, dass sie wissen, was Gold ist und wie es aussieht und was es kostet (nicht: was es wert ist, denn das wäre dann schon wieder die Freegold-Story). Ich habe ebenfalls etwas Grundlegendes mitzuteilen: und es ist ebenfalls kaum jemandem bekannt oder bewusst, auch wenn es – ähnlich der Vorgeschichte von FOFOA – einige Menschen gibt, denen ich am Ende absolut nichts Neues sagen würde, kämen sie auf diesem Blog zu Besuch. Ich sagte mir: Wenn FOFOA solch eine Aufgabe schafft (und selbst seine Kritiker geben meistens zu: er bewältigt sie mit Bravour), sollte auch ich das schaffen.
(3) Es gibt eine außerordentlich faszinierende, geheimnisvolle Verbindung zwischen »meinem« Thema einerseits und dem Gold-Thema im Allgemeinen und dem Freegold-Thema im Besonderen auf der anderen Seite. Jemand, der sich »meines« Themas (nicht als Blogger, sondern als Buchautor) intensiv angenommen hat, wurde eines Tages dafür geehrt: Man wog ihn mit Gold auf. Warum mit Gold? Warum erhielt er nicht einfach irgendwelche Privilegien? Warum nicht einfach nur einen Titel? Ich weiß, dass ihn schon das vollkommen zufriedengestellt hätte. Ich weiß, dass er nicht einmal IRGENDeine Ehrung erwartet hatte. Aber er wurde in Gold aufgewogen.
Abgesehen von dem Spektakulären dieses Aktes – nicht nur in der heutigen Zeit! – bleibt die Frage und wurde nie aufgeworfen und ist ungeklärt: Warum in Gold. Denn was den Beobachtern dieser Szene bis heute nicht bewusst zu sein scheint (ich habe jedenfalls noch keine entsprechende Wortmeldung finden können, nirgendwo): Auf diesem Weg wurde nicht nur der in Gold aufgewogene Mensch geehrt – sondern, auch umgekehrt: Auch das Gold wurde geehrt! Wenn ich einen Menschen, der mir teuer ist, mit etwas aufwiege, gebe ich nicht nur kund, dass mir dieser Mensch etwas bedeutet, sondern auch, was er mir bedeutet! 
Wenn der Abwägende gleichzeitig sagt, dass der Aufgewogene der Größte seines Fachgebietes ist, dann mache ich eine Gleichung auf: Höchstes = Inhalt der anderen Waagschale.
Was das in jenem Zusammenhang, auf den ich auf jeden Fall noch zurückkommen muss, bedeutet, ist mir bis heute schleierhaft. Denn hier wurden zwei Konzepte gegenübergestellt und gleichgestellt (die Waage …): Einmal ein geistiges Konzept, dessentwegen die Ehrung stattfand (ein Buch, eine Forschung), und auf der anderen Seite ein materielles Konzept, mit dem geehrt worden war (Gold). Was bedeutet das? Will der Ehrende damit sagen, dass für ihn Gold die wertvollste Substanz ist, die auf diesem Planeten gefunden werden kann? Was hieße hier überhaupt »wertvoll«? 
Ich bin gespannt, ob all das am Ende irgendjemanden interessiert. Und das war der letzte Grund, mich in der Vorgehensweise an FOFOA anzulehnen, ich erwähnte es ja im Willkommen-Post schon:
(4) Anonymität. Denn gesetzt den Fall, kaum jemand liest hier mit, auch auf Dauer nicht: dann wird das Blog vielleicht nicht sang-, aber eben klanglos wieder zurücktauchen in die Weiten des Internet, mit ein paar Spuren vielleicht in den Webarchiven … Und es gibt dann kein »ich«, das dumm dasteht. (Außer, dass ich selbst und einige sehr wenige Leser ein Scheitern spüren, aber wie heißt es so schön: [Nur] Wer wagt, gewinnt!)

Willkommen

Dachkonstruktion eines Bahnhofs, Gleise überbrückend
»Everyone knows where we have been. Let's see where we are going!«

Unter diesem Motto startete Another am 5. Oktober 1997 eine faszinierende Serie von Blogposts auf USAgold.com, einer der führenden Gold-Seiten dieser Welt. Anothers Gedanken wurden  heiß diskutiert und finden bis heute ein riesiges Publikum. Am 3. September 1998 erschien sein letzter Post. Ein zweiter anonymer Autor, Friend of Another (FOA), schaltete sich am 3. März 1998 dazu und blieb bis zum 16. Dezember 2001 online.
Am 23. August 2008 tauchte noch ein dritter im Bunde der Anonymen auf, er nannte sich konsequent Friend of Friend of Another (FOFOA), griff den seit sieben Jahren liegengebliebenen Faden wieder auf und pflegt ihn seither auf geradezu spektakuläre Weise.
Eine Arbeit, die ich außerordentlich schätze. Dieses Blog ist – wenn auch nicht inhaltlich, so doch konzeptionell – ein Tribut an alle drei. 
Um Geld und Gold geht es hier nur unter anderem. In Gedanken! geht es um das ganze Bild von Krise und Zukunft.
Die materiellen, sichtbaren Verwerfungen, deren Zeuge wir seit Jahren sind, sind Symptome tieferliegenderer, unsichtbarer Prozesse. Diese unsichtbaren Vorgänge sind die eigentlichen Antriebsmotoren von Krise und Wandlung.
Wenn ein Mensch davon nie erfährt, ist das tragisch. Stellen Sie sich vor, Sie sähen zum ersten Mal in Ihrem Leben ein Flugzeug und wüssten nicht, was es antreibt und in der Luft hält, würden nie erfahren, welches Geheimnis hinter diesem Luftobjekt steckt: Welch ein Verlust an Autonomie, Wahrnehmung, Klarheit, Wissen und an Verständnis der Welt!
Ebenso die moderne Krise. Wieviele Menschen verfolgen sie ungläubig, staunend, werden von ihr berührt und herausgefordert – und wissen doch nicht wirklich, was »die Krise« eigentlich antreibt und befeuert.
Facebook, YouTube, Twitter, Blogs sind natürlich ein großes Korrektiv. Hier sind die Autoren nicht abhängig von Verlegermeinungen, von wirtschaftlichen Kennzahlen, müssen nicht Rücksicht nehmen auf Anzeigenkunden, politische Seilschaften und festgefahrenen Sehweisen langjähriger Abonnenten.
Aber: Das Internet ist genausowenig in Stein gemeißelt wie die Autobahn oder die Mikrowelle, die Nation oder die Gentechnik. Wie lange wir uns via Internet austauschen werden, weiß kein Mensch. Und also sollten wir die Gelegenheit nutzen.
Diese für die meisten Menschen noch unsichtbaren Vorgänge, um die es in diesem Blog gehen wird, sind die eigentliche Story. Die Story hinter der Story. Das Drehbuch. Die Regieanweisung. Die eigentliche Komposition.
Was Otto Normalbürger in den Medien hört, sind nur Geräusche, Töne ohne Zusammenhang, Klänge ohne Struktur, Melodiefetzen ohne Sinn, Struktur und Ziel.
Dieses Blog möchte die Struktur aufzeigen, die Komposition, um die es in diesem Umbruch geht: Was stieß den Umbruch an? Was treibt ihn voran? Was ist sein Ziel?
Die Posts von Another und FOA und das Blog von FOFOA sind konzeptionelles Vorbild:
  • Die Anonymität kann dem Gesagten etwas Spannendes geben. Neu und unbekannt ist die Hintergrund-Story allemal, aber sie soll auch locken. Anonymität bietet dem Autoren aber auch den unschätzbaren Vorteil, seine Arbeit nicht dauerhaft mit dem eigenen Namen verbinden zu müssen. Was ist, wenn ich in zehn Jahren vieles noch einmal anders sehen möchte? Ich habe kein Interesse daran, dann auf Dinge, die ich längst überwunden habe, aus denen ich gedanklich herausgewachsen bin und die mir dann so fern liegen mögen wie eine abgelegte Haut, ständig weiter fixiert zu werden. 
  • Anonymität, wem sage ich das, hat den Vorteil, den Autoren zu schützen. Es wird einige Momente geben, in denen ich Interessen berühre, die man als Normalsterblicher tunlichst nicht berühren sollte: jedenfalls nicht dann, wenn das Geschriebene Kreise zieht (was ich mir natürlich wünsche; jeder Autor wünscht sich das).
  • Ich werde Insider-Informationen anbieten, Informationen, die der Mainstream ignoriert. Another war ebenfalls ein Insider: Ohne seine Tiefenkenntnisse des internationalen Spot-Marktes wären viele seiner Posts undenkbar gewesen. Ohne meine intime Kenntnis der »Antriebsmotoren von Krise und Wandlung« würden viele meiner Posts nicht geschrieben werden können.
  • Gespräch, Austausch, Kommentar sind das Herzstück von Gedanken!. Sie provozieren neue Posts, sie machen deutlich, wo Verständnislücken sind – und sie sind ein wunderbarer Weg, Menschen kennenzulernen.
  • Ich werde mir Zeit lassen. Zwar trödle ich nicht, das ganze Bild in den Blick zu rücken: Längst ist der Umbruch, um den es hier geht, in voller Fahrt. Aber ich brauche keine übertriebene Eile. Für die meisten Menschen – vielleicht auch für Sie? – sind die Gedanken, die hier entwickelt werden, neu, fremdartig, ungewohnt: eine Situation, in der es sich empfiehlt, den kleinen Schritt zu wählen. Sonst verliert man sein Auditorium schneller als man denken kann.
Dieser Blog möchte ein Scharnier werden zur alten Welt, aus der wir alle kommen und in der die meisten Besucher des Blogs noch verankert sind (wenn auch hie und da schon verunsichert, sonst würde dieser Blog nicht gelesen werden).
In der neuen Welt, an der anderen Seite des Scharniers, finde auch ich mich erst langsam zurecht: aber ich bin schon dort und sehe, wie die alte Welt stirbt.
Von dieser Aussicht möchte ich berichten – ähnlich wie ein weiterer hochgeschätzter Autor, der die Welt, nicht nur die europäische, zwar »vom Pazifik aus« betrachtet, aber dadurch ebenfalls eine erhebliche Distanz besitzt zum europäischen Tumult. (Wenn ich so schreiben könnte wie Markus Gärtner, bräuchte ich mir keine Sorgen machen, ob mein Blog gelesen wird. Ich werde mich also bemühen, so spritzig im Satzbau, so erfinderisch in der Wortwahl und so elegant in der Argumentationsführung zu werden wie er!)
Nur werde ich es vorerst nicht schaffen, so häufig zu posten wie Gärtner. Als ehrgeiziges Ziel habe ich mir den Wochenrhythmus vorgenommen. Sollte mehr Zeit zur Verfügung stehen und sollten mir die Beiträge leichter von der Hand gehen als ich das derjetzt noch befürchte, mag sich die Frequenz erhöhen. Nicht zuletzt wird das auch davon abhängen, welche Diskussionen sich ergeben! Die ich, soweit möglich ohne Zensur, aufmerksam verfolgen werde. (An die selbstverständliche Netiquette erinnere ich nur ein Mal, nämlich hier: Pöbelei, Menschenverachtung, Aufrufe zu Hass, Mord und Gewalt dulde ich nicht; sie werden kommentarlos gelöscht. Gleichgültig, aus welcher pseudo-politischen oder pseudo-religiösen oder pseudo-sonstwas-Ecke sie stammen oder zu stammen vorgeben. Ebenso gelöscht bzw. von Google gar nicht erst durchgelassen wird Spam. Ausufernde OTs lasse ich nur stehen, wenn ich, ähnlich wie das FOFOA hält, ab und an ein Forum eröffne: mit »freier Bahn«.)
Bevor ich vorläufig zum Schluss komme, muss ich noch beichten: Dieser erste Beitrag durchlief keine Konzeption. Ich formuliere ihn parallel zur Anpassung von Layout und Funktionalität dieses Google-Blogs (OT: dessen Bedienerführung mir, Joomla!-verwöhnt, reichlich gewöhnungsbedürftig scheint. Kann es sein, dass überall dort, wo riesige Konzerne am Werke sind, Produkte immer wieder dazu tendieren, hässlich zu werden, unbedienbar und leblos? Bestes Beispiel wäre ja Microsoft: dessen Software, Windows voran, den Nimbus einer technischen, kalten Ingenieurswelt wohl nie wird abstreifen können. Und wenn mich nicht alles täuscht, zeigen sich erste Anzeichen eines entsprechenden Niedergangs jetzt, wo der Visionär von Bord gegangen ist, auch beim tonangebenden OS-Produzenten Apple …)
Was noch? Wie schon erwähnt, ist das neue Format von Blogger noch neu für mich. Es ist zwar nicht das erste Google-Blog, das ich aufsetze, aber es ist das erste Mal, dass ich mit Googles »dynamischen Layouts«, mit Google+ und vielen anderen Optionen in Berührung komme, die Google ins seine Blog-Baukästen neu eingebaut hat.
Vieles vermisse ich noch: Wo kategorisiere ich meine Beiträge? Ich werde es finden. (Wobei ich noch nicht weiß, ob ich Kategorien überhaupt verwenden will. Ich stelle mir die Entwicklung dieses Blogs eher vor wie ein langes Gespräch: aus dem man auch nicht Bestandteile herauspicken und zu scheinbar eigenständigen Größen aufbauen kann. Alles geht auseinander hervor!)
Damit komme ich noch zu einem weiteren Merkmal »meines« Formats, und auch hier wieder stehen die genannten Vorbilder Another, FOA und FOFOA Pate: Ich werde mich ebenfalls nicht auf knackige Kürze beschränken. Mir kommt es darauf an, so zu schreiben, wie ich denke. Und wenn ein Gedankengang epische Länge erfordert, wird er sie bekommen. Genügt ein kurzer Satz, kommt auch er.
Und last but not least werde ich mich bei der Entwicklung meiner Gedanken! auch von der Tagesaktualität weder leiten lassen noch sie ignorieren. Es werden Beiträge kommen, die hart anschließen an das, was aktuell geschieht, und es wird solche geben, die ungerührt von allem Getriebe dort draußen sich die Freiheit nehmen, Grundsätzliches zu erörtern, ohne nach rechts und links zu schauen: stattdessen den Versuch unternehmen, in die Tiefe zu blicken (oder in die Höhe, je nachdem, wie man’s sehen will.)
Ich wünsche allen Besuchern eine zumindest anregende, im besten Fall gewinnbringende Lektüre.